Teilzeit- und Vollzeitarbeit der Frauen in Europa und der Schweiz


Die Erwerbsquoten von Frauen und Männern entwickeln sich in den europäischen Ländern recht unterschiedlich. Ein Sonderfall bildet die Schweiz, wo nach der Annahme der Masseneinwanderungsinititative der Druck auf die Frauen gestiegen ist, stärker in die Erwerbsarbeit einzusteigen.

(SSF/iDAF/im.) Noch lie­gen keine ganz neuen Zah­len für die Schweiz vor, aber ein Blick auf die Sta­tis­tik zeigt, dass seit 1991 der An­teil der er­werbs­tä­ti­gen Frau­en im Alter von 15 – 64 Jah­ren – mit Schwan­kun­gen – kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­gen ist. Im Jahr 2012 lag die Frau­en-Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te in der Schweiz bei 73,6 %, die Män­ner-Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te bei 85,2 %*. Gleich­zei­tig liegt der An­teil der Teil­zeit ar­bei­ten­den Frau­en bei fast 80%. Er ist aber ten­den­zi­ell sin­kend, wäh­rend er bei den Män­nern steigt. Ei­ner­seits steigt der Druck der Wirt­schaft auf Frau­en, Voll­zeit zu ar­bei­ten. An­de­rer­seits sind mehr Män­ner be­reit, sich an der Kin­der­be­treu­ung zu be­tei­li­gen und dafür ein Teil­zeit­pen­sum im hohen Pro­zent­be­reich zu über­neh­men.

Teil­zeit­ar­beit ist in Deutsch­land häu­fi­ger ge­wor­den

In Deutsch­land lag die Frau­en-Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te 2012 bei 68,0 %, die Män­ner-Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te bei 77,6 %.* Wenn auch die Zahl be­rufs­tä­ti­ger Frau­en in Deutsch­land seit 1991 an­ge­stie­gen ist, hat deren Ar­beits­vo­lu­men (die Ge­samt­heit aller von Frau­en ge­leis­te­ten Er­werbs­ar­beits­stun­den) ins­ge­samt nicht zu­ge­nom­men. So ist die Zahl der Frau­en in Voll­zeit­stel­len stark ge­sun­ken. Im Ge­gen­satz zur ein­fa­chen Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te ist die weib­li­che Voll­zei­t­äqui­va­lent-Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te von 1992 (48 %) bis 2003 (46 %) leicht ge­fal­len. Viele Frau­en gehen eher einer Teil­zeit­ar­beit oder einer ge­ring­fü­gi­gen Be­schäf­ti­gung nach als einem so ge­nann­ten Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis. Dabei gilt, dass Frau­en, die in Teil­zeit ar­bei­ten, das im Wes­ten meist auf ei­ge­nen Wunsch tun, wäh­rend dies im Osten auf we­ni­ger als die Hälf­te zu­trifft. Zudem ak­zep­tiert fast die Hälf­te des weib­li­chen Ge­schlechts tra­di­tio­nel­le Rol­len­mus­ter, bei denen der Mann voll be­rufs­tä­tig ist und die Frau zu Haus bleibt.

In Deutsch­land ar­bei­ten Frau­en mit 45 % deut­lich häu­fi­ger Teil­zeit als im EU-Durch­schnitt. Nur in den Nie­der­lan­den ar­bei­te­ten Frau­en mit 76 % noch deut­lich häu­fi­ger Teil­zeit. Al­ler­dings ist dort der Um­fang der Er­werbs­tä­tig­keit von Frau­en, ge­mes­sen in Voll­zei­t­äqui­va­len­ten, deut­lich nied­ri­ger als in Deutsch­land, wie OECD-Sta­tis­ti­ken zei­gen. Auch in Frank­reich ist der Er­werbs­um­fang von Frau­en ge­rin­ger als in Deutsch­land. Ein Grund dafür ist, dass es in Deutsch­land mehr kin­der­lo­se Frau­en gibt, aber auch Müt­ter sind in Deutsch­land nicht sel­te­ner, son­dern häu­fi­ger er­werbs­tä­tig als west­lich des Rheins. In Schwe­den sind Er­werbs­quo­ten und Er­werbs­um­fang von Frau­en deut­lich höher.

Ten­den­zi­ell sinkt in Eu­ro­pa die Frau­en­ar­beits­quo­te

In­ter­es­sant ist al­ler­dings der Ent­wick­lungs­trend: In der letz­ten De­ka­de ist in Schwe­den das Be­schäf­ti­gungs­vo­lu­men von Frau­en zu­rück­ge­gan­gen. Auch in an­de­ren Län­dern zeigt sich eine Ab­nah­me des Be­schäf­ti­gungs­vo­lu­mens von Frau­en. Deutsch­land und die Schweiz sind mit einem deut­li­chen An­stieg eher die Aus­nah­me.

Wäh­rend in der Schweiz die Wirt­schaft Druck auf die Frau­en macht, sich in der Ar­beits­welt zu en­ga­gie­ren, bremst die Po­li­tik gleich­zei­tig Mass­nah­men, wel­che die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Beruf för­dern. Ein Blick über die Lan­des­gren­ze macht deut­lich, dass der Kon­flikt zwi­schen Fa­mi­lie und Beruf nicht über­all gleich gross ist wie in der Schweiz. In­ner­halb Eu­ro­pas wei­sen vor allem die skan­di­na­vi­schen Län­der ver­gleichs­wei­se bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen für die Ver­ein­bar­keit von Er­werbs­ar­beit und El­tern­schaft auf.

Schweiz: Wirt­schaft und Po­li­tik con­tra ge­sell­schaft­li­che Werte

Diese un­ter­schied­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in ein­zel­nen Län­dern zei­gen, dass die ge­gen­wär­ti­ge Si­tua­ti­on in der Schweiz weder na­tur­be­dingt noch un­ver­än­der­lich ist, wie das Bun­des­amt für Sta­tis­tik fest­hält. Die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Beruf hänge viel­mehr so­wohl von po­li­tisch-in­sti­tu­tio­nel­len und öko­no­mi­schen Ge­ge­ben­hei­ten als auch von kul­tu­rel­len Leit­bil­dern, Wer­ten und Nor­men in einer Ge­sell­schaft ab. Im Klar­text: eine Ge­sell­schaft muss sich klar sein, ob sie ihre Kin­der mehr durch In­sti­tu­tio­nen als im El­tern­haus be­treu­en und er­zie­hen lässt. Nach wie vor ist das „Ver­ein­bar­keits­mo­dell der Ver­sor­ger­ehe bzw. das „mo­der­ni­sier­te bür­ger­li­che Mo­dell“ (Ter­mi­no­lo­gie des BFS) in den mo­der­nen west­eu­ro­päi­schen Län­dern am stärks­ten ver­brei­tet. Dabei ar­bei­tet der Vater Voll­zeit und die Mut­ter je nach Kin­der­zahl und deren Alter Teil­zeit.

* Quel­le: Wi­ki­pe­dia


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