Elternkompetenzen erkennen und anwenden


Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Soft Skills, die in der Familie erworben werden, und der Arbeitsqualität und Produktivität am Arbeitsplatz. Dies belegt eine neue Studie des WorkFamily-Instituts Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt. Diese Erkenntnis stützt den Ansatz der «Neuen Vereinbarkeit» von Familie und Beruf.

(im.) Eine Studie des IDW (Köln) aus 2016 kommt zum Schluss: «Soft Skills» wie Kooperations-, Organisations- und Planungsfähigkeit sowie Selbstkompetenz stehen im Zeichen der Digitalisierung bei (deutschen) Unternehmen aktuell an erster Stelle bei der Mitarbeiter-Qualifizierung. Denn sie gehören zu den wichtigen Faktoren des wirtschaftlichen Erfolgs. Diese «Soft Skills» werden weitgehend in Familien erworben und sind vor allem bei Eltern mit mehreren Kindern hoch entwickelt.

Der Spillover-Effekt

Den Transfer dieser Kompetenzen in die Arbeitswelt nennen die Studienautoren «Spillover». Sie gingen der Frage nach, wie der Spillover in der Praxis funktioniert. Das Resultat: Sie unterscheiden einen automatischen Spillover vom vermittelten Spillover. Im ersten Fall übertragen sich die Kompetenzen quasi automatisch in die Arbeit, ohne dass dies von den Eltern bewusst wahrgenommen wird. Beim vermittelten Spillover gelingt der Transfer aufgrund des Gesprächs mit den Vorgesetzten oder wegen der Rückmeldungen auch der Teammitglieder. Dabei stellten die Autoren aber auch fest, dass Väter mehr vom Spillover profitieren als Mütter.

Fünf «Elterntypen»

Nach der Auswertung der Befragung stellten die Studienautoren fünf unterschiedliche Spillover-Kategorien fest. Erstens den «gelungenen Spillover». Hier gelingt das Gespräch über den Trainingstransfer der Elternkompetenzen mit der Führungskraft. Zweitens den «verdeckten Spillover». Der Transfer der Elternkompetenzen in den Kontext Arbeit gelingt ansatzweise, aber er ist bei der Führungskraft kein Thema, sodass die Kompetenzen nicht gezielt genutzt werden. Beim „verlorenen Spillover gehen Eltern ebenfalls davon aus, dass ihre Elternkompetenzen sie auch zu besseren Mitarbeitenden oder Führungskräften macht. Sie erleben aber, dass ihr Potential bei ihrer Führungskraft unerkannt ist, sodass es nicht genutzt wird. Die Gruppe der «Fragmentierten» («möglicher Spillover») erlebt ihre Elternkompetenz und Spillovererwartung sowie den Transfer in den Kontext Arbeit als lose Fragmente nebeneinander. Schliesslich nennen die Autoren auch die Gruppe «Keine-Spillover-Erwartung». Sie beschreiben damit Eltern, die unsicher sind, ob sie überhaupt mit der Familie Soft Skills entwickeln. Sie erwarten somit auch keine Auswirkungen ihrer Elternkompetenzen auf das berufliche Handeln.

Positives Transferklima schaffen

Als Konsequenz dieser Erkenntnisse appellieren die Autoren an die Führungskräfte, Bedingungen für ein «positives Trainingstransfer-Klima» im Betrieb zu schaffen. Das Bewusstsein vom Wert der Familie für das Unternehmen sei gezielt zu beeinflussen. Führungskräfte sollten daher ihre «Wertschätzung gegenüber Soft Skills, die in der Familie erworben werden, ausdrücken und darüber offen sprechen». Mit einer familienorientierten Unternehmenskultur, die sich auch bei Bewerbungen und Beförderungen sowie in der gezielten Weiterbildung auswirke, könnten sie sich ein Plus bei künftigen Mitarbeitenden erwerben.

Die Eltern unter den Arbeitnehmenden werden ermutigt, ihr Bewusstsein zu schärfen, dass «ihre Elternkompetenzen einen wesentlichen Beitrag zur Produktivität des Unternehmens leisten». Für ein Gespräch hierüber mit den Vorgesetzten können sie selbstbewusst auftreten. Sowohl Unternehmen wie Arbeitnehmende können dazu das von den Studienautoren angebotene Programm «be:able» nutzen.

Hintergrund und Veranstaltungshinweis

Die beiden Autoren der Studie, der Dipl. Psychologe Joachim E. Lask und die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Psychologischen Institut der Goethe Universität Frankfurt, Dr. Nina Juncker, sprechen am 31. Oktober in Bern im Rahmen vom FORUM WIRTSCHAFT TRIFFT FAMILIE. An der Veranstaltung werden ausgewiesene und hochkarätige Expertinnen und Experten Ansätze und Modelle einer Neuen Vereinbarkeit präsentieren und diskutieren.

Die Veranstaltung ist Teil des Programms „Mehrwert Familie“ der Schweizerischen Stiftung für die Familie (SSF). Damit will die Stiftung einen konstruktiven Beitrag für eine «Neue Vereinbarkeit» leisten. Ziel des Programms «Mehrwert Familie» ist es, kleine und mittlere Unternehmen

für den Wert der Familie für das eigene Unternehmen zu sensibilisieren.

Ebenfalls am 31. Oktober startet die Stiftung eine Reihe von App-gestützten «be:able»-Seminaren für Führungskräfte und berufstätige Eltern aus mittelständischen Unternehmen.

Die auf dem «Enrichment»-Ansatz basierenden Seminare, sowie die dazugehörige Lern-App, wurden vom WorkFamily-Institut (Darmstadt) unter der Leitung von Joachim E. Lask entwickelt

und sind in dieser Form einzigartig.

Das Programm wird vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann mit einer Anschubfinanzierung

gefördert.

www.stiftung-familie.ch/forum2019

www.stiftung-familie.ch/beable

Download Studienbericht

Die Kurzfassung des Studienberichts steht hier zum DOWNLOAD bereit.


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