Der Kampf um den Vaterschaftsurlaub

Mit zwei Wochen Vaterschaftsurlaub hat der Berg eine Maus geboren bzw. einer Minimalvariante zugestimmt. Und dennoch haben Vertreter aus SVP, Freisinn und Gewerbe dagegen das Referendum ergriffen. Die Chancen, dass der Vaterschaftsurlaub vom Stimmvolk angenommen wird, stehen dennoch gut.

Die Schweiz steht mit dieser Lösung immer noch weit hinten innerhalb der OECD. Auf der Wartebank stehen wesentlich grosszügigere Lösungen. So befürwortet die Eidgenössischen Kommission für Familienfragen (EKFF) einen Elternurlaub von 38 Wochen.

Der Widerstand aus KMU und Gewerbekreisen ist einerseits verständlich. Nicht jeder Kleinbetrieb kann sich bei Vaterschaft eines Mitarbeiters gleich gut organisieren. Dennoch: Jeder Betrieb muss in der Lage sein, Mitarbeitende – sei es wegen Weiterbildung, Militärdienst, Unfall oder Krankheit zwei Wochen oder länger zu ersetzen. Der Vaterschaftsurlaub lässt sich langfristig planen und damit auch der zweiwöchige Ersatz des Mitarbeiters. Selbständige, die ihre Auszeit selber planen müssen, haben es da möglicherweise oft weniger einfach.

Für einen Vaterschaftsurlaub sprechen zahlreiche Argumente:

  • Er sensibilisiert Mutter und Vater besser für das neugeborene Kind. Vor allem Väter gewinnen so mehr Zeit mit ihrem Kind und der Familie und können damit eine bessere Bindung zu ihrem Kind aufbauen. Das macht die Kinder auch später zu stabilen und verlässlichen Gliedern der Gesellschaft

  • Das Paar hat die Möglichkeit sich besser auf die neuen Rollen einzustellen und läuft zudem weniger Gefahr, in alte Klischees zu verfallen. Die Paare haben auch mehr Zeit, sich auf die neuen Rollen einzustellen, ohne dass die Partnerschaft leidet, wie das heute gemäss Studien oft der Fall ist.

  • Es motiviert den Vater, und diese Motivation bringt er mit zurück in den Beruf. Laut Studien erhöht der Vaterschaftsurlaub sogar die Produktivität der Mitarbeiter.

Fazit: Der Vaterschaftsurlaub entstresst die ersten Tage mit dem Kind, und wenn die Eltern weniger Stress verspüren, dann ist das gut für das Kind, für die Beziehung und schliesslich auch für die Wirtschaft. «Urlaub» ist dafür allerdings das falsche Wort, und es suggeriert etwas Falsches.

Obwohl Mitarbeiter gerade in kleineren Firmen nicht immer einfach zu ersetzen sind, sind wir überzeugt, dass das einzelne Unternehmen wie auch die Wirtschaft insgesamt, vom Vaterschaftsurlaub profitieren werden. Die direkten Kosten des Urlaubs werden sich ausserdem mittel- und langfristig mindestens kompensieren lassen. Zudem ist der Lohn während dieser Auszeit zu 80% durch die Erwerbsersatzordnung gedeckt. Daher ist die Einführung des Vaterschaftsurlaubs gerade jetzt ein wichtiges und richtiges Signal für Familien und die Wirtschaft. Firmen mit grosszügigem Elternurlaub schaffen sich zudem einen Wettbewerbsvorteil.

Hinweis 1: Siehe dazu auch unser Interview mit dem «Vater des Vaterschaftsurlaubs», Martin Candinas, welcher den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub mittels Parlamentarischer Initiative bereits 2014 eingereicht hat.

https://3506b201-0853-4d75-8715-4163feb1d619.filesusr.com/ugd/4ffb89_965dbc509ba3407ebfd073ac5db833de.pdf

Hinweis 2: Der Bund hat soeben einen Überblick über die sozialen Leistungen des Staates unter dem Titel „Soziale Sicherheit in der Schweiz“ publiziert. Er kann unter dem folgenden Link abgerufen werden:

https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ueberblick.html

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