Kinder bekommen – Wunsch und Realität klaffen auseinander

24.03.2015

Das Bundesamt für Statistik hat am Dienstag seine erste Erhebung zu Familien und Generationen nach 1994/95 präsentiert. Sie zeigt deutliche Veränderungen bezüglich Kinderwunsch, Kinderwunsch-Erfüllung und Generationenbeziehungen auf.

 

(SSF/im.) Wenn sich alle Frau­en ihren Kin­der­wunsch er­fül­len könn­ten, hät­ten die Schwei­zer Fa­mi­li­en deut­lich mehr Kin­der. Das ist eines der Er­geb­nis­se der Er­he­bung zu Fa­mi­li­en und Ge­ne­ra­tio­nen des Bun­des.

 

94 % der Frau­en zwi­schen 20 und 30 in der Schweiz wün­schen sich Kin­der, meis­tens zwei oder mehr. Doch 20% der Frau­en blei­ben kin­der­los. Bei Frau­en mit hö­he­rer Aus­bil­dung (Aka­de­mi­ke­rin­nen) sind es sogar 30%, wie das Sta­tis­tik­amt in einer gros­sen Um­fra­ge unter mehr als 17.000 Per­so­nen er­fah­ren hat. Und dies, ob­wohl sich auch die Aka­de­mi­ke­rin­nen Kin­der wün­schen. Und ob­wohl sie sich be­wusst sind, dass dies ihre Kar­rie­re be­hin­dern könn­te. Es gilt: je höher der Schul­ab­schluss, desto eher wird Frau­en der Kin­der­wunsch ver­sagt. 

 

Dies dürf­te damit zu­sam­men­hän­gen, dass nach wie vor die Skep­sis ge­gen­über er­werbs­tä­ti­gen Müt­tern mit klei­nen Kin­dern recht hoch ist, wenn auch sin­kend. Heute fin­den es noch 4 von 10 Män­nern pro­ble­ma­tisch, wenn eine Mut­ter von klei­nen Kin­dern ar­bei­tet. 1994 waren es noch 6 von 10. Bei den Frau­en ist die Skep­sis deut­lich ge­rin­ger. Sie liegt jetzt bei einem Drit­tel der Be­frag­ten.

 

Ge­gen­sei­ti­ge fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung

In­ter­es­sant im Blick auf die De­mo­gra­phie ist die Frage, ob El­tern ihre er­wach­se­nen Kin­der – und um­ge­kehrt – bei Be­darf fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen soll­ten. Die Zu­stim­mung liegt in der Deutsch­schweiz mit 54% bzw. 57% re­la­tiv nied­rig. Im Tes­sin da­ge­gen fin­den es 72% rich­tig, dass El­tern ihre er­wach­se­nen Kin­der fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen. Die Un­ter­stüt­zung der El­tern durch die Kin­der fin­den sogar 78% rich­tig. Die Ro­man­die liegt hier im Schnitt da­zwi­schen. Die Zu­stim­mung zu die­sen Fra­gen ist bei den Jun­gen (15-25) am höchs­ten, bei den über 65-Jäh­ri­gen am tiefs­ten.

 

Wenig be­zahl­te Kin­der­be­treu­ung

Nach wie vor be­treu­en 32% der Fa­mi­li­en ihre Kin­der selbst. Nur 20% neh­men aus­schliess­lich be­zahl­te fa­mi­li­en­ex­ter­ne Be­treu­ung in An­spruch, wobei jede Form, auch die Ta­ges­fa­mi­lie, be­rück­sich­tigt ist.  Wei­te­re 20% neh­men be­zahl­te und un­be­zahl­te ex­ter­ne Be­treu­ung in An­spruch – und 27% aus­schliess­lich un­be­zahl­te. Dabei leis­ten Gross­el­tern die Haupt­ar­beit. Hier gibt es einen Stadt-Land-Gra­ben. In den Gross­städ­ten neh­men rund 60% der Fa­mi­li­en ganz oder teil­wei­se be­zahl­te An­ge­bo­te in An­spruch. 

 

Der An­teil der kos­ten­pflich­ti­gen Kin­der­be­treu­ung ist somit ge­samt­schwei­ze­risch nach wie vor recht nied­rig, ob­wohl sie po­li­tisch hohe Prio­ri­tät hat. Dazu er­klär­te Marc Stampf­li, stv. Ge­schäfts­lei­ter des Bun­des­am­tes für So­zi­al­ver­si­che­rung ge­gen­über SSF auf An­fra­ge, dies hänge mit den nach wie vor hohen Bei­trä­gen zu­sam­men, die El­tern, ins­be­son­de­re aus dem Mit­tel­stand, für die Be­treu­ung auf­brin­gen müss­ten. Nach sei­ner Be­ur­tei­lung würde der An­teil der Be­treu­ung in Kin­der­krip­pen, Ta­ges­stät­ten und an­dern pro­fes­sio­nel­len Ein­rich­tun­gen zu­neh­men, wenn die Ta­ges­be­treu­ungs­kos­ten sin­ken wür­den. 

 

Alte El­tern auf­neh­men

Zur Frage, ob er­wach­se­ne Kin­der ihre El­tern bei sich zu­hau­se auf­neh­men soll­ten, ist die Zu­stim­mung bei den Jun­gen (46%) am höchs­ten. Sie sinkt dann kon­ti­nu­ier­lich bis auf 16% bei den 65-80-Jäh­ri­gen. Möch­ten wohl die äl­te­ren Men­schen den Jun­gen nicht zur Last fal­len? Oder leh­nen sie selbst die in­ten­si­ve Sorge für die noch äl­te­ren El­tern ab? Das Bun­des­amt hat dafür auch keine Ant­wort.

 

Das Bun­des­amt für Sta­tis­tik hat die aus­führ­li­chen Er­geb­nis­se in der Bro­schü­re „Er­he­bung zu Fa­mi­li­en und Ge­ne­ra­tio­nen 2013“ pu­bli­ziert. Be­stel­lung (Fr. 10.00) bei order(at)bfs.​admin.​ch

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