Frauen suchen die Auseinandersetzung - Männer ziehen sich zurück

01.09.2015

Wie verhalten sich Frauen in Partnerschaftskonflikten, wie die Männer? An der Uni Zürich präsentierte der Psychologe, Forscher und Paartherapeut Guy Bodenmann dazu eine Meta-Analyse und eigene Forschungsresultate.

 

In der Po­pu­lär­li­te­ra­tur wim­melt es von Ste­reo­ty­pen über die Ge­schlechts­un­ter­schie­de von Män­nern und Frau­en. zum Bei­spiel Män­ner kom­men vom Mars, Frau­en von der Venus. Doch die Psy­cho­lo­gie stellt aufs Ganze ge­se­hen er­staun­lich wenig Un­ter­schie­de fest. Dar­auf wies Guy Bo­den­mann, Pro­fes­sor für kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie im Be­reich Kin­der und Ju­gend­li­che sowie Paare  und Fa­mi­li­en an der Uni Zü­rich hin. 

 

De­mand and Wi­th­draw

Un­ter­schie­de las­sen sich den­noch im Ver­hal­ten bei Kon­flik­ten fest­stel­len. Dies be­stä­tig­te ein Me­ta-Ana­ly­se der US-For­scher Jack­son und Mil­ler von 2014 mit ins­ge­samt 101.100 Per­so­nen und ins­ge­samt 226 Stu­di­en. Sie zeig­te einen ty­pi­schen Ver­lauf, den viele Paare beim Ver­such, Kon­flik­te zu be­wäl­ti­gen, er­le­ben. Wäh­rend Frau­en eher die Aus­ein­an­der­set­zung su­chen und das Pro­blem of­fen­siv an­ge­hen, ten­die­ren Män­ner dazu, dar­auf mit in­ne­rem Rück­zug zu re­agie­ren, ob­wohl sie emo­tio­nal be­trof­fen sind. In einer wei­te­ren Phase re­agiert die Frau auf den Rück­zug des Man­nes mit Frus­tra­ti­on und zieht sich eben­falls zu­rück. Wenn der Mann den Rück­zug fest­stellt, ver­sucht er, dass Ge­spräch wie­der auf­zu­neh­men. Doch dann hat die Part­ner­schaft oft be­reits so viel Scha­den ge­nom­men, dass sich die Frau nicht mehr dar­auf ein­lässt und die Part­ner­schaft auf­gibt. Ge­ne­rell zei­gen Frau­en bei Aus­ein­an­der­set­zung stär­ker ein „De­mand“-Ver­hal­ten, for­dern also of­fen­siv zur Aus­ein­an­der­set­zung auf. Aus­ser­dem nei­gen sie zu mehr Un­zu­frie­den­heit als die Män­ner. Män­ner da­ge­gen zei­gen ein „Wi­th­draw“-Ver­hal­ten. Das­sel­be Mus­ter spielt sich auch bei les­bi­schen und schwu­len Paa­ren ab, wo sich eine ana­lo­ge Rol­len­ver­tei­lung mit ähn­li­chen Ver­hal­tens­mus­tern zeigt. 

 

Wenn der Stress uns schei­det

Ei­gent­li­che Ur­sa­che von ge­schei­ter­ten Part­ner­schaf­ten ist nach der Ana­ly­se von Guy Bo­den­mann sehr oft Stress in vie­len Va­ria­tio­nen. Er hat dazu so­eben ein Buch mit dem Titel „Bevor der Stress uns schei­det – Resi­li­enz in der Part­ner­schaft“ her­aus­ge­ge­ben. Er hat zum Thema ei­ge­ne Stu­di­en zur Frage durch­ge­führt, wie Paare mit Stress um­ge­hen. Sie haben seine Be­ob­ach­tung be­stä­tigt, dass Pro­ble­me vor allem dort auf­tau­chen, wo beide Part­ner unter Stress ste­hen. Wenn sich ein Part­ner öff­net, ist es ent­schei­dend, dass der an­de­re rich­tig dar­auf re­agiert: Mit Zu­hö­ren, Zu­wen­dung, Ver­ständ­nis, Em­pa­thie, So­li­da­ri­sie­rung und Hilfe zur Um­be­wer­tung der stress­aus­lö­sen­den Si­tua­ti­on. Wäh­rend Män­ner in der Lage sind, rich­tig zu re­agie­ren, wenn sie selbst nicht unter Stress ste­hen, re­agie­ren sie ne­ga­ti­ver als Frau­en, wenn sie selbst ge­stresst sind. Zwar re­agie­ren auch Frau­en unter Stress schlech­ter, als wenn sie nicht ge­stresst sind, doch sie kön­nen auch unter Stress mehr Em­pa­thie zei­gen. 

 

Star­ke und Schwa­che

Laut der Paarthe­ra­peu­tin Kath­rin Wid­mer be­stä­ti­gen nur ca. 1/3 der Frau­en und 1/3 der Män­ner die ihnen tra­di­tio­nell zu­ge­schrie­be­nen Ge­schlech­termerk­ma­le. Wäh­rend Män­ner längst nicht immer die „Star­ken“ in der Part­ner­schaft sind, sind um­ge­kehrt auch die Frau­en längst nicht immer die „Schwa­chen“. Diese Ei­gen­schaf­ten kön­nen sich sogar in­ner­halb einer Part­ner­schaft si­tua­ti­ons­be­zo­gen ver­än­dern. Auch gibt es un­ter­schied­li­che Spiel­ar­ten, schwach oder stark zu sein, wie Kath­rin Wid­mer be­ton­te. Sie riet den Paa­ren, sich immer wie­der neu die Frage zu stel­len: „Was kann ich mei­nem Part­ner/mei­ner Part­ne­rin schen­ken, das ihm/ihr gut tut?!“

 

An der Ta­gung in Zü­rich spra­chen Fach­leu­te aus ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen auch über die Rolle von ge­ne­ti­schen Fak­to­ren und hor­mo­nel­len Wir­kun­gen, über den Um­gang von Kin­dern und Ju­gend­li­chen bei­der Ge­schlech­ter mit Tech­no­lo­gi­en, über ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Ess­stö­run­gen sowie die Be­deu­tung der Ge­schlech­ter­un­ter­schie­de in der schu­li­schen Aus­bil­dung.

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