Die Schweizer Parteien und ihre Familienpolitik

25.09.2015

Die Schweizer Familienpolitik haben die Parlamentarier in den vergangenen Monaten heiss diskutiert. Wo stehen die Schweizer Parteien in Sachen Familienpolitik? Mit Blick auf die eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober 2015 hat die SSF die Programme der Parteien unter die Lupe genommen. Ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge.


BDP: Tra­di­tio­nel­le Fa­mi­li­en und neue Fa­mi­li­en­for­men be­grüsst

(SSF/im.) Die BDP ver­bin­det die Fa­mi­li­en- mit der Ge­sell­schafts­po­li­tik. Auch in einer mo­der­nen Ge­sell­schaft bilde die Fa­mi­lie die Basis. Die BDP iden­ti­fi­ziert sich „in hohem Mass mit der ‚tra­di­tio­nel­len’ Fa­mi­lie, un­ter­stützt aber auch „mo­der­ne Ge­mein­schafts­for­men mit be­rufs­tä­ti­gen El­tern“. Sie for­dert ein zi­vil­stands­un­ab­ha?ngi­ges Steu­er- und Ren­ten­sys­tem und op­ti­ma­le Rah­men­be­din­gun­gen für er­werbs­tä­ti­ge El­tern wie Block­zei­ten, Ta­geschu­len und  fa­mi­li­en­er­ga?nzen­de Be­treu­un­gen. Offen ist die BDP auch für neue Fa­mi­li­en­mo­del­le und Le­bens­for­men und will die Ge­setz­ge­bung dem ge­sell­schaft­li­chen Wan­del an­pas­sen. Die BDP setzt sich zudem fu?r eine nach­hal­ti­ge Sta­bi­li­sie­rung und Si­che­rung der So­zi­al­wer­ke ein.

 

CVP: Jedes Paar soll sich Kin­der leis­ten kön­nen, Ver­ein­bar­keit Fa­mi­lie und Beruf

Für die CVP steht die Fa­mi­lie im Zen­trum ihrer Par­tei­po­li­tik. Sie be­kennt sich zur Fa­mi­lie als das Fun­da­ment un­se­rer Ge­sell­schaft. Sie be­tont die ide­el­len Werte der Fa­mi­lie, in der die Kin­der, Ver­ant­wor­tung, So­li­da­ri­tät, Ge­mein­sinn und Kon­flikt­be­wäl­ti­gung ler­nen. Laut der CVP braucht die Fa­mi­lie Zeit, Geld und In­fra­struk­tu­ren. Im Blick auf die fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen der Fa­mi­lie ver­folgt sie eine Dop­pel­stra­te­gie: Mit ihrer Fa­mi­li­en­in­itia­ti­ve woll­te sie Mit­tel­stands­fa­mi­li­en steu­er­lich ent­las­ten. An­de­rer­seits hat sie eine Er­hö­hung der Fa­mi­li­en­zu­la­gen und Kin­der­zu­la­gen für selb­stän­dig Er­wer­ben­de er­reicht. Als ein­zi­ge Bun­des­rats­par­tei zielt sie auf die Auf­he­bung der Ehe­s­tra­fe bei Steu­ern und AHV. Wich­tig ist ihr auch die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fa­mi­lie und damit die För­de­rung von Teil­zeit­stel­len, Te­le­ar­beit und die staat­li­che För­de­rung von Krip­pen­plät­zen und Ta­ges­struk­tu­ren. 

 

EDU: Staat schützt Ehe und Fa­mi­lie, fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten, ex­ter­ne Kin­der­be­treu­ung ist Pri­vat­sa­che

Die EDU er­war­tet von Staat und Ge­sell­schaft ein po­si­ti­ves Be­kennt­nis zur tra­di­tio­nel­len Ehe und Fa­mi­lie. Dabei sol­len auch Ein­ver­die­ner­fa­mi­li­en ein exis­tenz­si­chern­des Ein­kom­men haben. Die El­tern sol­len die Er­werbs- und Fa­mi­li­en­ar­beit nach ihrer Wahl auf­tei­len kön­nen. Sie plä­diert für Kin­der­zu­la­gen-Zu­schüs­se an­stel­le von Fa­mi­li­en-Er­gän­zungs­leis­tun­gen. Ex­ter­ne Be­tre­ungs­an­ge­bo­te und Ta­ges­struk­tu­ren sol­len pri­vat und so­zi­al­part­ner­schaft­lich rea­li­siert und ver­ur­sa­cher­ge­recht fi­nan­ziert wer­den. Euch die EDU will den Ge­dan­ken der Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­fa­mi­lie stär­ken.

 

EVP: Ge­ne­ra­tio­nen­fa­mi­lie, hö­he­re Kin­der­zu­la­gen, El­tern­ur­laub, Ehe schüt­zen

Die EVP geht von der zen­tra­len Be­deu­tung der Fa­mi­lie mit ver­hei­ra­te­ten El­tern, Gross­el­tern und Kin­dern aus und ver­langt in ihrem Pro­gramm, die Ehe be­son­ders zu schüt­zen. Zur Ab­schaf­fung der Ehe­s­tra­fe ver­langt sie ein Fa­mi­li­en­split­ting, das vor allem Fa­mi­li­en mit Kin­dern be­vor­zugt. Hö­he­re Kin­der- und Aus­bil­dungs­zu­la­gen wer­den den­noch ge­gen­über Steu­er­er­leich­te­run­gen be­vor­zugt. Sie for­dert einen El­tern­ur­laub, aber auch die Ent­las­tung pfle­gen­der An­ge­hö­ri­ger, die äl­te­re Men­schen oder Part­ner pfle­gen. Fa­mi­li­en mit nied­ri­gen Ein­kom­men sol­len Er­gän­zungs­leis­tun­gen er­hal­ten. Wei­ter ver­langt sie die För­de­rung von fa­mi­li­en­freund­li­chen Quar­tie­ren. Bei der aus­ser­fa­mi­liä­ren Kin­der­be­treu­ung plä­diert sie für Be­treu­ungs­gut­schei­ne an­stel­le von Krip­pen­sub­ven­tio­nen.

 

FDP: Gleich­be­hand­lung, Steu­er­ab­zü­ge und Ver­ein­bar­keit Fa­mi­lie und Beruf

Auch bei der FDP ge­hört es zum Frei­heits­be­griff, dass alle Fa­mi­li­en­mo­del­le vom Ge­setz­ge­ber gleich be­han­delt wer­den. Ob­wohl zum bür­ger­li­chen Lager ge­hö­rend, steht die Par­tei in die­sem Punkt SP, GLP und Grü­nen nahe. Sie ver­langt eben­so die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fa­mi­lie, zum Bei­spiel mehr Teil­zeit­stel­len und Te­le­ar­beit, wobei sie den Ein­satz der Frau­en in der Wirt­schaft be­tont. Sie setzt aber nebst der For­de­rung nach Mit­tags­ti­schen, Ta­ges­struk­tu­ren und Auf­ga­ben­be­treu­ung stär­ker auf pri­va­te In­itia­ti­ven und neue Fi­nan­zie­rungs­mo­del­le wie Be­treu­ungs­gut­schei­nen. Eben­so auf fö­de­ra­lis­ti­sche Struk­tu­ren und Lö­sun­gen und we­ni­ger Bü­ro­kra­tie. Sie ver­langt aus­ser­dem hö­he­re Steu­er­ab­zü­ge für ex­ter­ne Kin­der­be­treu­ung.

 

Grüne: Glei­che Rech­te für alle Paare und Ver­ein­bar­keit Fa­mi­lie und Beruf

Die die Grü­nen ma­chen sich für die völ­li­ge Gleich­stel­lung ho­mo­se­xu­el­ler Part­ner­schaf­ten mit Ehe­paa­ren, also die Ho­mo-Ehe in­klu­si­ve Ad­op­ti­on stark. Eben­so für die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Beruf (Teil­zeit­ar­beit, Ta­ges­schu­len, Job­sha­ring etc.). Statt Steu­er­ab­zü­ge for­dern sie „ein so­zi­al ge­rech­te­res Zu­la­gen­sys­tem und Er­gän­zungs­leis­tun­gen für Fa­mi­li­en. Bei Un­ter­halts- und Vor­sor­ge­re­ge­lun­gen soll auch die Ca­re-Ar­beit be­rück­sich­tigt wer­den. 

 

Grün­li­be­ra­le (glp): Frei­heit und Gleich­heit auch für gleich­ge­schlecht­li­che Paare

Die glp be­für­wor­tet den Über­gang zu einem mo­der­nen Fa­mi­li­en­bild. Frei­heit und Selbst­ver­ant­wor­tung sind obers­te Werte. Die Frei­heit soll nur dann be­schnit­ten wer­den, wenn Drit­te da­durch Scha­den neh­men oder ein­ge­schränkt wer­den. Sie macht sich für eine Gleich­stel­lung von Mann und Frau in allen Le­bens­be­rei­chen stark und fol­gert dar­aus auch die völ­li­ge Gleich­stel­lung der „Fa­mi­li­en- und Le­bens­mo­del­le“. Daher auch ihre par­la­men­ta­ri­sche In­itia­ti­ve für die Schwu­len- und Les­benehe. Eben­so sol­len ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaf­ten und Kon­ku­bi­na­te gleich be­han­delt wer­den, so­wohl im Steu­er­recht wie in den So­zi­al­ver­si­che­run­gen. Ho­mo­se­xu­el­le Paare sol­len auch Kin­der ad­op­tie­ren dür­fen. Die glp for­dert zudem die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Beruf durch Ta­ges­struk­tu­ren und Teil­zeit­stel­len.

 

SP: Ver­ein­bar­keit Fa­mi­lie und Beruf, ex­ter­ne Be­treu­ungs­an­ge­bo­te, kein Ver­zicht auf Kin­der aus fi­nan­zi­el­len Grün­den

Für die SP hat die Fa­mi­li­en­po­li­tik tra­di­tio­nell als Teil der So­zi­al­po­li­tik einen hohen Stel­len­wert. An obers­ter Stel­le ste­hen zur­zeit die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Beruf (flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung von Kitas und kos­ten­lo­sen Ta­ges­schu­len, glei­cher Lohn für Mann und Frau etc.) sowie die fi­nan­zi­el­le Ent­las­tung ein­kom­mens­schwa­cher Fa­mi­li­en. Fa­mi­lie ist laut SP ein Haus­halt, in dem Er­wach­se­ne und Kin­der leben.  Sie un­ter­stützt auch die Ehe und das Ad­op­ti­ons­recht für ho­mo­se­xu­el­le Paare. Zur Un­ter­stüt­zung der „Fa­mi­li­en“ ver­langt sie die Ein­füh­rung von Kin­der­gut­schrif­ten an­stel­le von Steu­er­ab­zü­gen sowie hö­he­re Kin­der­zu­la­gen, damit die Grün­dung einer Fa­mi­lie nicht zu einem Ar­muts­ri­si­ko wird. Sie for­dert eine Zen­tral­stel­le für Kin­der- und Ju­gend­fra­gen und ein fa­mi­li­en­freund­li­ches Wohn­um­feld. 

 

SVP: Un­ab­hän­gig­keit, Selbst­ver­ant­wor­tung, we­ni­ger Staat

Die tra­di­tio­nel­le Fa­mi­lie bil­det für die SVP die Grund­la­ge un­se­rer Ge­mein­schaft. El­tern und Kin­der ver­die­nen den be­son­de­ren Schutz und die An­er­ken­nung durch Staat und Ge­sell­schaft. Pri­va­te Ei­gen­ver­ant­wor­tung steht über der De­le­ga­ti­on von Auf­ga­ben an den Staat. Dazu die­nen ins­be­son­de­re Steu­er­ab­zü­ge und die För­de­rung der Pri­vat­in­itia­ti­ve bei der Kin­der­be­treu­ung. Sie be­tont zudem die ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung der Ge­ne­ra­tio­nen. Sie setzt sich für die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau ein, wehrt sich aber gegen staat­li­che „Gleich­ma­che­rei“. Sie will keine Dis­kri­mi­nie­rung von Al­lein­ste­hen­den. Wich­tig ist ihr auch die Si­che­rung der Al­ters­vor­sor­ge, aber ohne Steu­er­er­hö­hun­gen.

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