Credit Suisse Jugendbarometer 2015: Fakten und Folgerungen

13.10.2015

Das Credit Suisse Jugendbarometer 2015 vergleicht die Welt der 16- bis 25-Ja?hrigen in der Schweiz, den USA, Brasilien und Singapur. Dabei werden sie vor allem als „Digital Natives“ gesehen, aber nicht nur.

 

(SSF/PD/im.) Wie den­ken junge Men­schen im Jahr 2015? Was ist ihnen im Leben wirk­lich wich­tig und wie stel­len sie sich ihre Zu­kunft vor? Zu die­sen und an­dern Fra­gen er­stell­te das For­schungs­in­sti­tut gfs.​bern im Auf­trag der Credit Su­is­se das Ju­gend­ba­ro­me­ter. Es be­frag­te je­weils rund 1000 Ju­gend­li­chen in den vier un­ter­such­ten Län­dern.

 

Hier zu­erst die zehn wich­tigs­ten Er­kennt­nis­se des Ju­gend­ba­ro­me­ters 2015 im Über­blick:

  1. Di­gi­ta­le Welt: Die wich­ti­ge oder gar un­ver­zicht­ba­re Rolle des In­ter­nets für über 85 Pro­zent der (meis­tens on­line) be­frag­ten Ju­gend­li­chen zeigt sich vor allem bei der Nut­zungs­dau­er: Mit Aus­nah­me der Schweiz ver­bringt die Mehr­heit der Ju­gend­li­chen mehr als zwei Stun­den täg­lich im Netz, und zwar für pri­va­te Zwe­cke, sprich zu­sätz­lich zu Schu­le oder Ar­beit.

  2. Da­ten­schutz: Für über 75 Pro­zent ist klar, dass sie sich im In­ter­net sel­ber schüt­zen müs­sen. 69 Pro­zent wün­schen sich aber auch, dass der Staat hier eine be­deu­ten­de­re Rolle ein­neh­men würde.

  3. Face­book: Das so­zia­le Netz­werk spielt bei allen di­gi­ta­len The­men eine zen­tra­le Rolle – mehr als die Hälf­te der Be­frag­ten fin­den gar, Face­book ver­än­de­re die Welt. Doch er­staun­li­cher­wei­se ist die Platt­form für die Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht mehr so wich­tig, da do­mi­niert ganz klar Whats­App (aus­ser in den USA). Das Netz­werk hat eine an­de­re Funk­ti­on über­nom­men: 27 Pro­zent der Be­frag­ten aus Sin­ga­pur, 22 Pro­zent aus den USA, 17 Pro­zent aus Bra­si­li­en und 5 Pro­zent aus der Schweiz geben an, Face­book sei ihre wich­tigs­te In­for­ma­ti­ons­quel­le. Somit ist Face­book für diese Ge­ne­ra­ti­on ein wich­ti­ge­res Nach­rich­ten­me­di­um als News-Apps, Radio, TV oder Zei­tun­gen.

  4. Me­di­en­nut­zung: Im Ju­gend­ba­ro­me­ter liess sich der Le­ser­schwund von Be­zahl­zei­tun­gen schon früh er­ken­nen; nun deu­tet sich an, dass dem Fern­se­hen ein ähn­li­ches Schick­sal dro­hen könn­te: Sogar im TV-Land USA ist das Fern­se­hen erst­mals nicht mehr unter den Top 3 der Dinge, die an­ge­sagt sind. In der Schweiz ist die Po­pu­la­ri­tät des Fern­se­hens in­nert fünf Jah­ren von 80 Pro­zent auf 62 Pro­zent ge­sun­ken. Par­al­lel dazu ver­läuft der Auf­stieg der Vi­deo­platt­form YouTube, die in allen vier un­ter­such­ten Län­dern als „in“ gilt. In­ter­es­san­ter­wei­se ist das Radio kon­stant be­liebt, zu­min­dest in der Schweiz.

  5. Out: Als un­at­trak­tiv in allen vier Län­dern gel­ten Dro­gen und Rau­chen sowie po­li­ti­sche Par­tei­en und Re­li­gio­nen. Zudem sind ver­al­te­te In­ter­net­platt­for­men wie Mys­pace und Orkut (mitt­ler­wei­le nicht mehr in Be­trieb) bei den Ju­gend­li­chen un­be­liebt.

  6. Fi­nan­zen: In den USA und Bra­si­li­en haben 20 Pro­zent bis 30 Pro­zent der Ju­gend­li­chen Schul­den, in Sin­ga­pur und vor allem in der Schweiz ist die An­zahl weit­aus tie­fer (etwa 12 Pro­zent re­spek­ti­ve 3 Pro­zent) – diese Zah­len sind seit Jah­ren un­ge­fähr kon­stant.

  7. Ziele: Diese Ge­ne­ra­ti­on möch­te ein biss­chen von allem: Selbst­ver­wirk­li­chung und Ar­beit, die er­fül­lend ist und den ei­ge­nen Ta­len­ten ent­spricht. Die Work-Life-Ba­lan­ce soll stim­men und man will viele ver­schie­de­ne Dinge aus­pro­bie­ren. Dann erst folgt das, was Vater und Mut­ter viel­leicht eher hören möch­ten – Kar­rie­re ma­chen und mehr Wohl­stand als die ei­ge­nen El­tern er­rei­chen. Be­zeich­nen­der­wei­se wer­den diese zwei letz­ten Punk­te vor allem in dem Land ge­nannt, wel­ches das tiefs­te Pro-Kopf-Ein­kom­men auf­weist: Bra­si­li­en. In der Schweiz hin­ge­gen ste­hen sol­che Ziele eher im Hin­ter­grund.

  8. Kar­rie­re/Beruf: In wel­chen Bran­chen wären die Ju­gend­li­chen am liebs­ten an­ge­stellt? 1. Me­di­en, 2. Tou­ris­mus, 3. Bil­dungs­we­sen, 4. Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on, 5. Ge­sund­heits­we­sen, 6. Ban­ken. Je­doch hat eine gros­se An­zahl der Be­frag­ten in allen Län­dern die Er­fah­rung ge­macht, dass weib­li­che Ar­beits­kräf­te be­nach­tei­ligt wer­den. Und nir­gend­wo ist die Zu­stim­mung zu die­ser Aus­sa­ge so hoch wie in der Schweiz (57 Pro­zent).

  9. Zu­kunft: Die be­frag­ten Ju­gend­li­chen – sie sind ge­bo­ren zwi­schen 1990 und 1999 – bli­cken op­ti­mis­tisch nach vorne. In der Schweiz hat die Zu­ver­sicht seit 2010 Jahr für Jahr zu­ge­nom­men, heute sind 64 Pro­zent op­ti­mis­tisch. So hohe Werte er­reicht kein an­de­res Land. Tra­di­tio­nell waren auch die Bra­si­lia­ne­rin­nen und Bra­si­lia­ner im Ju­gend­ba­ro­me­ter je­weils sehr hoff­nungs­voll, doch die letz­ten, schwie­ri­gen Jahre und die düs­te­ren wirt­schaft­li­chen Pro­gno­sen lies­sen die Grup­pe der Op­ti­mis­ten auf 58 Pro­zent schrump­fen (-15 Pro­zent­punk­te seit 2012). In den USA (57 Pro­zent) und in Sin­ga­pur (47 Pro­zent) be­ur­tei­len die 16- bis 25-Jäh­ri­gen die ei­ge­ne Zu­kunft da­ge­gen zu­ver­sicht­li­cher als in den letz­ten drei Jah­ren.

  10. Sor­gen: Die pes­si­mis­ti­sche­re Hal­tung in Bra­si­li­en (Punkt 9) hängt eng mit den Pro­ble­men des Lan­des zu­sam­men: Drei von vier Ju­gend­li­chen in Bra­si­li­en fin­den, es gebe zu viel Kor­rup­ti­on im Land. Kein an­de­res Pro­blem in kei­nem an­de­ren Land wird der­art ein­stim­mig dia­gnos­ti­ziert. Auch die Ar­beits­lo­sig­keit be­rei­tet in Bra­si­li­en wie­der mehr Sor­gen (59 Pro­zent). Sie ist auch in Sin­ga­pur (33 Pro­zent) und in den USA (50 Pro­zent) ein gros­ses Thema. In der Schweiz ste­hen hin­ge­gen Aus­län­der­the­men zu­oberst (51 Pro­zent). 

Folgerungen und Schlüsse

Me­dia­le The­men be­ein­flus­sen die Pro­blem­wahr­neh­mung auch der Ju­gend­li­chen stark. Das zeigt sich zum Bei­spiel, indem die Schwei­zer Ju­gend­li­chen die Zu­wan­de­rung mehr­heit­lich als Pro­blem ge­se­hen wird, nicht aber die klei­ne Ge­bur­ten­ra­te, wel­che ei­gent­lich erst das Va­ku­um schafft, das durch Im­mi­gra­ti­on von aus­län­di­schen Fach­kräf­ten aus­ge­füllt wird. In Bra­si­li­en wird zum Bei­spiel die Kor­rup­ti­on als gröss­tes Pro­blem wahr­ge­nom­men, aber auch dort of­fen­sicht­lich unter dem Ein­fluss der Me­di­en, die das Pro­blem be­wirt­schaf­ten.

 

Das gfs-Ju­gend­ba­ro­me­ter stellt zwar den Wunsch nach einem „sta­bi­len pri­va­ten Fun­da­ment“ fest, kann die­ses aber nicht in den Zu­sam­men­hang einer Fa­mi­lie stel­len, die eher als Opfer des ge­sell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Wan­dels ge­se­hen wird. An­de­re Um­fra­gen unter Ju­gend­li­chen, die kon­kre­ter nach fa­mi­liä­ren Wün­schen fragt, stel­len ein hohes Be­dürf­nis nach einer glück­li­chen und sta­bi­len Part­ner­schaft, zum Teil auch mit Kin­dern, fest. 

 

Das po­li­ti­sche En­ga­ge­ment ist unter jun­gen Leu­ten be­son­ders dort sicht­bar, wo die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se eher schlecht sind. In der Schweiz sind Ju­gend­li­che unter den po­li­tisch In­te­rer­es­sier­ten eine Min­der­heit. Die Kon­se­quenz dar­aus: Po­li­tik wird von den äl­te­ren Ge­ne­ra­tio­nen ge­macht – mit einer Ten­denz zu kon­ser­va­ti­ven Wer­ten. Dabei spielt die Re­li­gi­on (noch) kaum eine Rolle. 

 

Die Me­di­en­welt wird sich ver­än­dern. Be­zahl­zei­tun­gen sind kein Thema unter den Jun­gen. Viel­leicht auch, weil viele die Zei­tung ihrer El­tern lesen. Auch das Fern­se­hen wird an Ter­rain ein­büs­sen. Im Vor­der­grund ste­hen die di­gi­ta­len neuen Me­di­en. In der Schweiz sind aber auch die Gra­tis­zei­tun­gen be­liebt. Das An­ge­bot be­ein­flusst also auch bei den Jun­gen den Kon­sum. 

 

Die Werte der Ju­gend­li­chen sind stark von Selbst­be­stim­mung, Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten und Trend­the­men wie die Gleich­be­rech­ti­gung der Ge­schlech­ter be­stimmt. Fa­mi­li­en­wer­te sind al­ters­ge­mäss noch nicht aus­ge­prägt. Für die meis­ten ist eine Fa­mi­li­en­grün­dung auch noch kein Thema.

 

Weitere Infos zum Jugendbarometer 2015

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