Nach der Familiensynode: Die feinen Töne wahrnehmen

27.10.2015

Das mit grossem Interesse erwartete Abschlusspapier der Familiensynode der katholischen Bischöfe in Rom besticht durch seine Differenziertheit und klare Struktur. Der Wiener Kardinal Schönborn bezeichnete es als „zukunftsweisend“. Reformkatholiken sind enttäuscht.

 

Wäh­rend die einen sich von der Re­form­syn­ode kaum we­ni­ger als eine ge­ne­rel­le Zu­las­sung von ge­schie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten zu den Sa­kra­men­ten und die Seg­nung ho­mo­se­xu­el­ler Paare ge­for­dert hat­ten, waren sol­che The­men zum Bei­spiel für Bi­schö­fe aus Afri­ka tabu. Die Fa­mi­li­en­syn­ode muss­te einen Kon­sens in­ner­halb einer Welt­kir­che su­chen, die nicht be­reit ist, sich der von Sä­ku­la­ris­mus und Be­lie­big­keit ge­präg­ten west­li­chen Kul­tur zu un­ter­wer­fen. Sie bleibt ein Fels in der Bran­dung.

 

In­ter­es­sant sind den­noch die eher fei­nen Töne im Do­ku­ment, die mehr be­deu­ten, als es auf den ers­ten Blick scheint. Zum Um­gang der Kir­che mit Wie­der­ver­hei­ra­te­ten stellt das Pa­pier fest, dass die Um­stän­de der Schei­dung sehr un­ter­schied­lich sein kön­nen. Wurde ein Part­ner zum Bei­spiel trotz allen Be­mü­hun­gen, die Ehe zu ret­ten, vom Part­ner ver­las­sen und steht jetzt mit Kin­dern al­lein da? Oder geht es um einen Vater oder eine Mut­ter, die die Ehe leicht­fer­tig zu­guns­ten einer neuen Ver­bin­dung zer­stört hat? Hier sol­len die Seel­sor­ger die kon­kre­te Si­tua­ti­on in den Blick neh­men und dann eine Ent­schei­dung tref­fen. Was vie­ler­orts schon Pra­xis ist, wird mit dem Do­ku­ment zu­min­dest be­stä­tigt. Der Theo­lo­ge Wal­ter Kirch­schlä­ger hatte be­reits im Vor­feld der Syn­ode dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kir­che damit einem er­neu­er­ten Bi­bel­ver­ständ­nis folgt, das stär­ker den Segen als den Im­pe­ra­tiv be­tont und einer Kir­che das Wort redet, die auch die Men­schen in Ehe und Fa­mi­lie nicht in per­fek­ten Ver­hält­nis­sen, son­dern „auf dem Weg“ sieht. Es folgt damit einem Leit­spruch von Fran­zis­kus: "Ge­set­ze sind für die Men­schen ge­macht – und nicht um­ge­kehrt."

 

Orts­kir­che und Uni­ver­sal­kir­che

Das Ab­schluss­do­ku­ment spricht im Um­gang mit Men­schen, die in der Ehe ge­schei­tert sind, von Dif­fe­ren­zie­rung und von De­zen­tra­li­sie­rung. Es gilt, die Ent­schei­dung zum Bei­spiel über die Zu­las­sung zum Sa­kra­ment im Kon­text einer be­stimm­ten Kul­tur und ihren Nor­men zu fäl­len. Sie ist in Eu­ro­pa oder in den USA an­ders als in Afri­ka oder Süd­ame­ri­ka. „Es braucht einen Aus­gleich zwi­schen Orts­kir­che und Uni­ver­sal­kir­che“, sagte dazu Kar­di­nal Schön­born. Wich­tig ist in die­sem Zu­sam­men­hang auch die Mo­ti­va­ti­on in der Seel­sor­ge. Diese soll nicht von Le­ga­lis­mus ge­prägt sein, son­dern von Barm­her­zig­keit und vom Be­stre­ben nach In­te­gra­ti­on. Dabei soll be­son­ders auch auf die Si­tua­ti­on der Kin­der ge­ach­tet wer­den. Ein As­pekt, der zum Bei­spiel auch die ak­tu­el­le Fa­mi­li­en­po­li­tik in der Schweiz prägt. 

 

Das gros­se „Ja“ zur Fa­mi­lie

Das Pa­pier nahm, ob­wohl das mit Span­nung er­war­tet wurde, nicht zur Ho­mo­se­xua­li­tät Stel­lung, mit Aus­nah­me des Um­gangs mit ho­mo­se­xu­el­len Fa­mi­li­en­mit­glie­dern. Be­tont wird al­ler­dings, Ho­mo­se­xu­el­le seien mit Re­spekt zu be­han­deln. Zwar wurde das Thema dis­ku­tiert, aber die die Syn­ode stell­te den Ehe- und Fa­mi­li­en­be­griff ins Zen­trum. Da­nach be­steht eine Ehe aus Mann und Frau, die offen für Kin­der sind. Die Syn­ode war sich dabei der Rea­li­tät der Fa­mi­li­en heute be­wusst, stellt aber auch fest: „Die Fa­mi­lie ist kein Mo­dell der Ver­gan­gen­heit, son­dern eine fun­da­men­ta­le Rea­li­tät un­se­rer Ge­sell­schaft.“ Dazu sage die Kir­che ein gros­ses „Ja“, be­ton­te Schön­born.

 

Klare Struk­tur – und Hand­lungs­an­wei­sung

Das Ab­schluss­do­ku­ment ist in drei Schrit­te struk­tu­riert: Sehen – Ur­tei­len – Han­deln. Sehen: Es geht hier um die Wirk­lich­keit der Fa­mi­li­en – ohne Idea­li­sie­rung. Um die po­si­ti­ven und ne­ga­ti­ven As­pek­te von Fa­mi­lie heute. Ur­tei­len: Zu un­ter­schei­den seien die ver­schie­de­nen Wirk­lich­kei­ten, in der sich eine Ehe be­wäh­ren muss. Hier emp­fiehlt das Pa­pier den Pfar­rei­en eine gute Vor­be­rei­tung der Paare auf die Ehe und die spä­te­re Be­glei­tung. Han­deln: Ehe ver­kün­digt auch die Gnade Got­tes, sie ist Teil der Mis­si­on der Kir­che. Diese un­ter­stützt die Ehe im Drei­schritt Vor­be­rei­tung, Feier und Be­glei­tung. Zur Be­glei­tung ge­hö­ren die Un­ter­stüt­zung bei ver­ant­wort­li­cher El­tern­schaft, Ad­op­ti­on, Schul- und Er­zie­hungs­fra­gen. Darin soll sich die Rö­misch-ka­tho­li­sche Kir­che als eine hei­len­de, barm­her­zi­ge und un­ter­stüt­zen­de Kir­che er­wei­sen.

Das Pa­pier dient jetzt als Grund­la­ge für künf­ti­ge Ent­schei­dun­gen von Papst Fran­zis­kus. Es dürf­te aber auch für die pas­to­ra­le Pra­xis in den Kirch­ge­mein­den schon jetzt von gros­ser Be­deu­tung sein.

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