Vereinbarkeit auf dem Prüfstand – EKFF befragte betroffene Familien

19.11.2015

Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen EKFF hat aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens zwanzig Familien aus der ganzen Schweiz eingeladen, um gemeinsam nach Antworten auf die Frage zu finden, wie sie Beruf und Familie vereinbaren und vor welchen Problemen und Herausforderungen sie stehen. Sie hat die Wünsche ausgewertet und zum Thema auch eine Studie publiziert.

 

Den Fa­mi­li­en wur­den die fol­gen­den Fra­gen zur Be­ant­wor­tung vor­ge­legt: Wie brin­gen wir Fa­mi­lie und Beruf unter einen Hut? Wel­che Fak­to­ren er­leich­tern oder er­schwe­ren die Ver­ein­bar­keit? Was wün­schen wir uns als Fa­mi­lie? Die An­lie­gen der Fa­mi­li­en wur­den ge­sam­melt, aus­ge­wer­tet und Na­tio­nal­rats­prä­si­dent Sté­pha­ne Ros­si­ni über­ge­ben.

 

Eine Stu­die zum Thema

Um die Wei­ter­ent­wick­lung der schuler­gän­zen­den Be­treu­ung in der Schweiz vor­an­zu­trei­ben, hat die EKFF zudem die Stu­die «Schuler­gän­zen­de Be­treu­ung aus El­tern- und Kin­der­sicht» in Auf­trag ge­ge­ben, in der auch die Wün­sche der El­tern auf­ge­nom­men wer­den. 

 

Die Stu­die kommt zum Schluss, dass Fa­mi­lie und Er­werbs­tä­tig­keit oder Aus­bil­dung zu ver­ein­ba­ren, ein an­spruchs­vol­ler Ba­lan­ce­akt bleibt. Zwar meis­tern die Fa­mi­li­en die or­ga­ni­sa­to­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen des All­tags und neh­men ihre Selbst­ver­ant­wor­tung wahr. Aber sie stos­sen dabei an Gren­zen. Sie und ihr Um­feld wären auf trag­fä­hi­ge Rah­men­be­din­gun­gen und An­ge­bo­te an­ge­wie­sen, die ihnen er­lau­ben, Fa­mi­lie und Beruf unter einen Hut zu brin­gen. Davon wür­den nicht nur die Fa­mi­li­en und ihre Kin­der pro­fi­tie­ren, son­dern auch die Ar­beits­welt und die Ge­sell­schaft als Gan­zes.

 

Die EKFF emp­fiehlt den Po­li­ti­ke­rIn­nen, Fach­leu­ten und den Ar­beit­ge­ben­den auf na­tio­na­ler, kan­to­na­ler und kom­mu­na­ler Ebene in fol­gen­den Be­rei­chen ge­mein­sam zu han­deln:

Ver­füg­bar­keit: Ta­ges­struk­tu­ren wei­ter aus­bau­en und wäh­rend der Fe­ri­en öff­nen

Fa­mi­lie und Er­werbs­tä­tig­keit las­sen sich ef­fi­zi­ent und für alle ge­winn­brin­gend ver­bin­den, wenn Ta­ges­struk­tu­ren flä­chen- und zeit­de­ckend für alle Fa­mi­li­en ver­füg­bar sind. Das be­deu­tet, dass An­ge­bo­te in aus­rei­chen­der An­zahl vor­han­den sind und diese die Zeit vor der Schu­le, über den Mit­tag und nach der Schu­le an allen Wo­chen­ta­gen sowie an schul­frei­en Tagen oder bei Un­ter­richts­aus­fäl­len ab­de­cken kön­nen. Ta­ges­struk­tu­ren sol­len auch wäh­rend der Schul­fe­ri­en ver­füg­bar sein. Es braucht eben­falls Lö­sungs­an­sät­ze für er­werbs­tä­ti­ge El­tern, die un­re­gel­mäs­si­ge Ar­beits­zei­ten haben, an Wo­chen­en­den oder in Schicht ar­bei­ten.

 

Qua­li­tät: Qua­li­täts­stan­dards de­fi­nie­ren

Qua­li­täts­stan­dards im Be­reich der schuler­gän­zen­den Be­treu­ung sind ana­log dem Vor­schul­be­reich zu de­fi­nie­ren. Diese be­inhal­ten bei­spiels­wei­se ein päd­ago­gi­sches Kon­zept, die be­ruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on des Be­treu­ungs­per­so­nals, den Be­treu­ungs­schlüs­sel sowie die An­for­de­run­gen an die Räum­lich­kei­ten, die Ver­pfle­gung, die Or­ga­ni­sa­ti­on, die be­trieb­li­che Füh­rung und auch die Zu­sam­men­ar­beit und den Aus­tausch mit der Schu­le und den El­tern.

 

Ta­ri­fe: Die An­ge­bo­te müs­sen für alle El­tern er­schwing­lich sein

Be­zahl­ba­re Ta­ri­fe bzw. Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen von Kan­to­nen, Ge­mein­den und Ar­beit­ge­ben­den sind un­ab­ding­bar, so dass die schuler­gän­zen­de Be­treu­ung für alle El­tern be­zahl­bar ist. Aus volks­wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve muss sich die Er­werbs­ar­beit loh­nen, auch im Hin­blick auf den Fach­kräf­te­man­gel sowie die För­de­rung der Er­werbs­tä­tig­keit von Frau­en.

 

Um­den­ken: Schu­le und Be­treu­ung ver­bin­den

Eine enge Zu­sam­men­ar­beit und Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen Schu­le und Be­treu­ung ist zen­tral. Im Ide­al­fall wer­den Schu­le und Be­treu­ung als Bil­dungs­part­ner­schaf­ten ge­mein­sam ge­dacht und lie­gen mög­lichst nahe bei­ein­an­der, damit die Über­gän­ge in­te­griert und si­cher sind und Syn­er­gi­en, z.B. bei der Nut­zung der In­fra­struk­tur, aus­ge­schöpft wer­den kön­nen. Erst da­durch kön­nen die El­tern ohne Un­ter­bruch und un­be­sorgt ihrer Er­werbs­tä­tig­keit nach­ge­hen.

 

Zu­gang: Ta­ges­struk­tu­ren für alle Fa­mi­li­en er­mög­li­chen

Ta­ges­struk­tu­ren er­rei­chen wich­ti­ge Ziel­grup­pen noch nicht. Heute pro­fi­tie­ren mehr­heit­lich Fa­mi­li­en mit hö­he­rem Bil­dungs­ni­veau und Ein­kom­men von schuler­gän­zen­den Be­treu­ungs­an­ge­bo­ten. Die Tat­sa­che, dass Fa­mi­li­en mit tie­fem Ein­kom­men und Bil­dungs­ni­veau – häu­fig auch Fa­mi­li­en mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund – Ta­ges­struk­tu­ren bis­lang wenig nut­zen, muss zum Han­deln an­re­gen. Nebst der Ver­füg­bar­keit und den Ta­ri­fen spielt in die­sem Zu­sam­men­hang auch der Zu­gang zum schuler­gän­zen­den Be­treu­ungs­sys­tem bzw. dem Wis­sen dar­über eine ent­schei­den­de Rolle.

 

Ver­net­zung: Er­fah­rung und Wis­sen zu­gäng­lich ma­chen und Be­währ­tes mul­ti­pli­zie­ren

Eine Ver­net­zung und Zu­sam­men­ar­beit der Ak­teu­re in der schuler­gän­zen­den Be­treu­ung auf na­tio­na­ler, kan­to­na­ler und kom­mu­na­ler Ebene ist zen­tral. Es braucht Platt­for­men, die Wis­sens- und Er­fah­rungs­aus­tausch er­mög­li­chen und beim Auf­bau und der Wei­ter­ent­wick­lung von Ta­ges­struk­tu­ren hel­fen.

 

Hin­weis

Die Stu­die „Schuler­gän­zen­de Be­treu­ung aus El­tern- und Kin­der­sicht“ kann beim BSV her­un­ter­ge­la­den oder be­stellt wer­den.

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