200 Fachleute am Caritas-Forum zum Thema Familienarmut

03.02.2016

Der individuelle Wert der Familie ist unbestritten, der gesellschaftliche Wert hingegen sehr umstritten: So beschäftigt sich die Schweiz intensiv mit ihrer Familienpolitik und ringt immer wieder um ihre Bedeutung, aber auch mit ihren Kosten.

 

(SSF/PD/im.) Am Ca­ri­tas-Fo­rum 2016 dis­ku­tier­ten am 29. Ja­nu­ar über 200 Fach­leu­te das Thema Fa­mi­li­en­ar­mut aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven. Dabei wurde deut­lich, dass Fa­mi­li­en in der Schweiz Ar­muts­ri­si­ken aus­ge­setzt sind. 223 000 Kin­der und Er­wach­se­ne sind von Armut be­trof­fen.

 

Ri­si­ko­grup­pe Al­lein­er­zie­hen­de

„Mo­ra­li­sche Ver­pflich­tun­gen ge­gen­über der Fa­mi­li­en füh­ren zu Höchst­leis­tun­gen im kon­kre­ten All­tag“, führ­te Anna Haus­herr aus, Lei­te­rin des Be­reichs Fa­mi­li­en- und So­zi­al­po­li­tik beim Schwei­ze­ri­schen Ver­band für Al­lein­er­zie­hen­de Müt­ter und Väter. In ihrem Re­fe­rat zeig­te sie auf, was Fa­mi­li­en täg­lich und über viele Jahre hin­weg leis­ten. Dabei wies sie aus­drück­lich auf die hohen ge­sell­schaft­li­chen Er­war­tun­gen ge­gen­über Fa­mi­li­en hin.

 

Mit­tel­schicht- und Nor­mal­fa­mi­lie wer­den ge­för­dert

Diese Er­war­tun­gen ste­hen je­doch in kei­nem Ver­hält­nis zur Un­ter­stüt­zung, wel­che Fa­mi­li­en er­hal­ten, stell­te Karin Jurc­zyk, Lei­te­rin der Ab­tei­lung Fa­mi­lie und Fa­mi­li­en­po­li­tik am Deut­schen Ju­gend­in­sti­tut in Mün­chen, fest. Ob­gleich der staat­li­che Auf­trag der Fa­mi­li­en­po­li­tik be­inhal­tet, „die“ Fa­mi­lie in ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit zu un­ter­stüt­zen, folgt sie eher einem öko­no­mi­schen Im­pe­ra­tiv mit se­lek­ti­ven Wir­kun­gen: Zum einen wer­den vor allem gut qua­li­fi­zier­te Mit­tel­schicht-Fa­mi­li­en ge­för­dert, zum an­dern wird dabei trotz aller ge­leb­ten Viel­falt die För­de­rung an einem Bild der „Nor­mal­fa­mi­lie“ aus­ge­rich­tet. Vor allem aber er­höht sich da­durch das Ar­muts­ri­si­ko oh­ne­hin ge­fähr­de­ter Fa­mi­li­en.

 

Mo­ni­ka Pfaf­fin­ger, Vi­ze­prä­si­den­tin der Eid­ge­nös­si­schen Ko­or­di­na­ti­ons­kom­mis­si­on für Fa­mi­li­en­fra­gen, ver­tief­te das Thema der Fa­mi­li­en­ar­mut wei­ter. So zeig­te sie in ihrem Re­fe­rat auf, dass Armut in der Schweiz ein weib­li­ches Ge­sicht hat und legte dafür grund­le­gen­de struk­tu­rel­le Grün­de dar. Ins­be­son­de­re die asym­me­tri­sche Rol­len­ver­tei­lung von Mann und Frau, die von Ge­set­zen und In­sti­tu­tio­nen be­vor­zugt wird, be­inhal­te ein Ar­muts­ri­si­ko für Fa­mi­li­en.

 

Wirk­sa­me In­stru­men­te von Staat und Wirt­schaft

Wie man mit wirk­sa­men po­li­ti­schen In­stru­men­ten Fa­mi­li­en­ar­mut nach­weis­lich re­du­zie­ren kann, zeig­te Es­ther Alder, Stadt­prä­si­den­tin von Genf, in ihrem Re­fe­rat auf. Dazu zäh­len Er­gän­zungs­leis­tun­gen für Fa­mi­li­en auf kan­to­na­ler Ebene sowie in der Stadt Genf Zu­la­gen für Schul­kos­ten, kos­ten­lo­se Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten für Kin­der und Sprach­kur­se für fremd­spra­chi­ge El­tern. Ro­land Mül­ler, Di­rek­tor des Schwei­ze­ri­schen Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des, wies auf die Po­ten­zia­le, aber auch die Gren­zen der Wirt­schaft als Ak­teur der Fa­mi­li­en­po­li­tik hin: „Ar­beits­zeit­mo­del­le und Un­ter­neh­mens­men­ta­li­tät sind As­pek­te, wel­che die Ar­beit­ge­ber di­rekt be­ein­flus­sen kön­nen.“

 

Unter der Lei­tung der Pu­bli­zis­tin Ni­co­le Alt­haus, Mit­glied der Chef­re­dak­ti­on der NZZ am Sonn­tag, ver­tief­ten die Re­fe­ren­tin­nen und Re­fe­ren­ten in zwei Po­di­ums­ge­sprä­chen ihre Ge­dan­ken und The­sen.

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