Wie kommen sozial Benachteiligte zu einer Wohnung

30.03.2016

Für Menschen mit finanziellen, psychischen und gesundheitlichen Problemen ist es oft schwierig, eine Wohnung zu finden. Dies stellt jetzt eine Studie des Departements Architektur an der ETH Zürich fest. Der Schlussbericht stellt drei Strategien vor, wie „Armen“ besser geholfen werden kann, eine Wohnung zu finden.

 

(SSF/im.) Die Be­reit­schaft, Men­schen mit knap­pem Ein­kom­men oder psy­chi­schen Pro­ble­men güns­ti­gen Wohn­raum zu ver­schaf­fen, ist in Ge­mein­den, Städ­ten und Kan­to­nen der Schweiz recht un­ter­schied­lich, stel­len die Ver­fas­ser der Un­ter­su­chung fest, die im Rah­men des Na­tio­na­len Pro­gramms zur Prä­ven­ti­on und Be­kämp­fung von Armut des Bun­des er­stellt wor­den ist.

 

Im Schluss­be­richt zur Stu­die wer­den drei „Pro­fi­le“ vor­ge­stellt, wie armen Woh­nungs­su­chen­den ge­hol­fen wer­den kann bzw. müss­te. Es geht dabei schwer­ge­wich­tig um „nicht-mo­ne­tä­re“ An­ge­bo­te, zum Bei­spiel Be­ra­tung und Un­ter­stüt­zung bei der Woh­nungs­su­che. Oder aber um Woh­nungs­ver­mitt­lung und Wohn­raum­si­che­rung. Als drit­tes „An­ge­bots­pro­fil“ wird die Be­glei­tung und Be­treu­ung in ei­ge­nen oder an­ge­mie­te­ten Lie­gen­schaf­ten be­schrie­ben. 

 

Im Be­reich „Un­ter­stüt­zung und Be­ra­tung“ ortet die Stu­die ver­mehrt Frei­wil­li­gen­pro­jek­te, die Be­trof­fe­nen nie­der­schwel­lig hel­fen. Dazu kom­men pro­fes­sio­nel­le Dienst­leis­tun­gen. Sie sind in der Regel kos­ten­los, set­zen aber viel Selbst­ver­ant­wor­tung der Woh­nungs­su­chen­den vor­aus. Doch Men­schen mit Schul­den, Be­trei­bun­gen oder schlech­ten Re­fe­ren­zen wer­den zum Teil von Ver­mie­tern kon­se­quent aus­ge­schlos­sen. Es gelte daher, Ei­gen­tü­mer zu fin­den, die auch ihnen eine Türe öff­nen. Dies sei bei klei­ne­ren Ei­gen­tü­mern oft leich­ter als bei gros­sen Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tun­gen, stel­len die For­scher fest. Bei Ge­nos­sen­schaf­ten stel­len sie zwei Typen fest: Sol­che mit einer kon­ser­va­tiv-be­wah­ren­den Hal­tung und „pro­gres­siv ori­en­tier­te Ge­nos­sen­schaf­ten“, die ex­pli­zit an einer so­zi­al durch­misch­ten Be­woh­ner­schaft in­ter­es­siert seien. 

 

Im An­ge­bots­pro­fil 2 „Woh­nungs­ver­mitt­lung und Wohn­raum­si­che­rung“ ist die nach­hal­ti­ge Si­che­rung von Wohn­raum das Ziel. Hier sind aus­schliess­lich Pro­fis tätig, wel­che die Wohn­kom­pe­tenz und die In­te­gra­ti­on von be­nach­tei­lig­ten Men­schen för­dern. Zu ihnen ge­hö­ren Men­schen mit fi­nan­zi­el­len, psy­chi­schen, so­zia­len und ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­men oder aber Mi­gran­ten. Et­li­che be­nö­ti­gen Wohn­be­glei­tung, an­de­re Ver­mitt­lung zu Fach­stel­len, Haus­wart oder Ver­mie­ter. Ein Pro­blem sind auch man­geln­de Sprach­kennt­nis­se. Oft führt in die­sem Be­reich erst eine Kom­bi­na­ti­on von „nicht-mo­ne­tä­ren“ und fi­nan­zi­el­len Leis­tun­gen zum Er­folg. We­sent­lich sind auch die ge­knüpf­ten Netze und Stra­te­gi­en sowie der Aus­tausch unter allen Be­tei­lig­ten sowie deren Ein­bin­dung. Wei­ter braucht es zu­ver­läs­si­ge und pro­fes­sio­nel­le An­sprech­per­so­nen sowie eine lö­sungs­ori­en­tier­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur, be­ton­ten die Ver­fas­ser der Stu­die. 

 

Das An­ge­bots­pro­fil 3 „Be­glei­tung und Be­treu­ung in ei­ge­nen oder an­ge­mie­te­ten Lie­gen­schaf­ten“ rich­tet sich an die an­spruchs­volls­te Kli­en­tel, zum Bei­spiel Men­schen mit gros­sen psy­chi­schen Pro­ble­men. Das Wohn­an­ge­bot reicht von Not­un­ter­künf­ten für Ob­dach­lo­se bis hin zu be­treu­tem Woh­nen in In­sti­tu­tio­nen. Der Auf­wand bis zu einer nach­hal­ti­gen Sta­bi­li­tät der Be­woh­nen­den ist oft hoch. Sie er­for­dert eine gute Zu­sam­men­ar­beit und Ver­net­zung von Fach­leu­ten aus dem So­zi­al- und Ge­sund­heits­we­sen sowie den Be­hör­den. Neben kom­mu­na­len Be­hör­den sind hier auch pri­va­te Ver­ei­ne aktiv. Die Ver­än­de­run­gen in der Psych­ia­trie haben zum Bei­spiel zur Folge, dass Pa­ti­en­ten we­ni­ger lang sta­tio­när be­han­delt wer­den. Sie be­nö­ti­gen nebst Wohn­raum wei­ter­hin psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­stüt­zung und schnel­le Kri­sen­in­ter­ven­ti­on. Um­ge­kehrt kön­nen sta­tio­nä­re Be­hand­lun­gen ver­mie­den oder ver­kürzt wer­den.

 

Die Au­to­ren be­to­nen, dass die Un­ter­stüt­zung von ar­muts­be­trof­fe­nen Men­schen ge­ra­de im ak­tu­ell an­ge­spann­ten Woh­nungs­markt an­spruchs­vol­ler ge­wor­den sei. Für eine wirk­sa­me Ar­beit sei ei­ner­seits die In­itia­ti­ve von en­ga­gier­ten Fach­leu­ten im So­zi­al­be­reich und an­de­rer­seits die po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung in den Ge­mein­den ent­schei­dend. Die Ab­hän­gig­keit der Ak­teu­re von den Ge­mein­den sei oft eine Her­aus­for­de­rung, be­son­ders in Ge­mein­den, die im So­zi­al­be­reich spa­ren wol­len. Aber auch die Kan­to­ne hät­ten einen po­si­ti­ven Ein­fluss auf die kom­mu­na­le So­zi­al­po­li­tik, indem sie den Ge­mein­den einen Las­ten­aus­gleich ein­rich­ten.

 

Die Ver­fas­ser des Be­richts be­to­nen auch, dass die Si­tua­ti­on von Ge­mein­de zu Ge­mein­de sehr ver­schie­den sei. Ei­ni­ge be­fürch­te­ten, dass sie sich mit dem Be­ra­tungs­an­ge­bot für Be­nach­tei­lig­te hö­he­re So­zi­al­hil­fe­kos­ten zu­zie­hen. Die be­frag­ten Ex­per­ten spre­chen sich daher für ge­mein­de­über­grei­fen­de re­gio­na­le An­ge­bo­te in die­sem Be­reich aus. 

 

Zum Be­richt „Nicht-mo­ne­tä­re Dienst­leis­tun­gen im Be­reich Woh­nen für ar­muts­be­trof­fe­ne und -ge­fähr­de­te Men­schen“

250'000 arme Men­schen in der Schweiz - und ein Fli­cken­tep­pich ...

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