Dyadisches Coping in Partnerschaften

10.06.2016

Das Psychologische Institut der Universität Zürich hat drei Studien zum Thema „dyadic coping“ veröffentlicht. Sie eröffnen neue Aspekte für das Gelingen von Paarbeziehungen auch unter Stress. Wir sprachen darüber mit Lorena Leuchtmann, Forschungsassistentin und Doktorandin am Lehrstuhl Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien bei Prof. Guy Bodenmann.


Eine Zu­sam­men­fas­sung:

Das Psy­cho­lo­gi­sche In­sti­tut der Uni­ver­si­tät Zü­rich hat unter der Lei­tung von Prof Guy Bo­den­mann drei Stu­di­en zum Thema „dya­dic co­ping“ ver­öf­fent­licht. Sie er­öff­nen neue As­pek­te für das Ge­lin­gen von Paar­be­zie­hun­gen auch unter Stress. Der Be­griff dya­di­sches Co­ping meint die ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung in Part­ner­schaf­ten in be­las­ten­den Si­tua­tio­nen. Dabei geht es so­wohl um die Stres­säus­se­rung des einen Part­ners als auch um die Re­ak­ti­on des an­dern dar­auf.

Eine Me­ta­stu­die hat jetzt be­stä­tigt, dass sich Paare auch in Stress­si­tua­tio­nen ge­gen­sei­tig ent­las­ten kön­nen, wenn sie dya­di­sches Co­ping prak­ti­zie­ren. Als Folge davon steigt die Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit und das Ri­si­ko von Tren­nun­gen sinkt. Re­le­vant ist dabei die ge­gen­sei­ti­ge emo­tio­na­le Ent­las­tung. Das Ge­fühl, dass der An­de­re mich ver­steht und dies auch aus­drückt. Sie ist sogar wich­ti­ger als die sach­li­che Un­ter­stüt­zung, die sich auf die Be­he­bung des Pro­blems aus­rich­tet. 

 

Eine wei­te­re Stu­die hat sich dar­auf kon­zen­triert, wie sich un­ter­schied­li­che „Lie­bes­sti­le“ und dya­di­sches Co­ping mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren las­sen. Dabei zeig­te sich, dass so­wohl lei­den­schaft­li­che und ro­man­ti­sche Liebe (Eros) und eine eher freund­schaft­li­che Liebe gut mit dya­di­schem Co­ping ver­bin­den las­sen. Sol­che Paare un­ter­stüt­zen sich gut. Ein prag­ma­ti­scher oder spie­le­ri­scher Lie­bes­stil tut sich da schwe­rer.

 

Eine drit­te Stu­die woll­te her­aus­fin­den, ob sich auch gläu­bi­ge, re­li­giö­se Paare, die ihre Ehe als von Gott ge­stif­tet sehen, in Kri­sen gut ge­gen­sei­tig un­ter­stüt­zen. Das hat sich be­stä­tigt. Sol­che Paare wei­sen in der Regel eine hohe Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit auf. 

 

Wenn beide Part­ner sich in Stress­si­tua­tio­nen be­fin­den, tun sie sich schwe­rer mit der ge­gen­sei­ti­gen Un­ter­stüt­zung. Das gilt aber vor allem für Män­ner, wäh­rend Frau­en auch in sol­chen Pha­sen noch in der Lage sind, den Part­ner emo­tio­nal ab­zu­ho­len.

  

Das In­ter­view:
 

Dyadisches Coping in Partnerschaften


Das Psy­cho­lo­gi­sche In­sti­tut der Uni­ver­si­tät Zü­rich hat drei Stu­di­en zum Thema „dya­dic co­ping“ ver­öf­fent­licht. Sie er­öff­nen neue As­pek­te für das Ge­lin­gen von Paar­be­zie­hun­gen auch unter Stress. Wir spra­chen dar­über mit Lo­re­na Leucht­mann, For­schungs­as­sis­ten­tin und Dok­to­ran­din am Lehr­stuhl Kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie mit Schwer­punkt Kin­der/Ju­gend­li­che und Paare/Fa­mi­li­en bei Prof. Guy Bo­den­mann.

 

Frau Leucht­mann, das Psy­cho­lo­gi­sche In­sti­tut der Uni­ver­si­tät Zü­rich hat drei Stu­di­en zum Thema „dya­dic co­ping“ ver­öf­fent­licht. Kön­nen Sie kurz er­klä­ren, was „dya­di­sches Co­ping“ meint, und wel­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen den drei Stu­di­en be­steht?

Lo­re­na Leucht­mann: Unter dya­di­schem Co­ping ver­ste­hen wir die ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung in Part­ner­schaf­ten in be­las­ten­den Si­tua­tio­nen. Dya­di­sches Co­ping be­inhal­tet so­wohl die Stres­säus­se­rung des einen Part­ners als auch die Re­ak­ti­on des an­dern Part­ners dar­auf. Es ist ein zir­ku­lä­rer Pro­zess, in den beide Part­ner ein­be­zo­gen sind. Es geht um die Art, wie Stress ge­äus­sert wird und die Re­ak­ti­on des Part­ners dar­auf. Eben­so um den ge­mein­sa­men Um­gang mit Stress. 

 

Alle drei Stu­di­en un­ter­su­chen die Rolle von dya­di­schem Co­ping im Rah­men von Part­ner­schaf­ten: Eine Stu­die un­ter­sucht den Zu­sam­men­hang zwi­schen dya­di­schem Co­ping und Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit, eine wei­te­re un­ter­sucht den Zu­sam­men­hang mit den so­ge­nann­ten "Lie­bes­sti­len" und die drit­te Stu­die un­ter­sucht, ob mehr dya­di­sches Co­ping statt­fin­det, wenn die ei­ge­ne Ehe als hei­lig wahr­ge­nom­men wird.

 

Die erste Stu­die un­ter­such­te den Zu­sam­men­hang zwi­schen dya­di­schem Co­ping und Be­zie­hungs­zu­frie­den­heit. Wie lau­ten die Re­sul­ta­te?

Bei der ers­ten Stu­die zur Be­zie­hungs­zu­frie­den­heit han­delt es sich um eine so­ge­nann­te Me­ta-Ana­ly­se. Sie fasst alle bis­he­ri­gen Stu­di­en zu dya­di­schem Co­ping und Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit zu­sam­men und zeigt stu­di­en­über­grei­fen­de Er­geb­nis­se auf.* Die Me­ta-Ana­ly­se hat ge­zeigt, dass die Häu­fig­keit des po­si­ti­ven dya­di­schen Co­pings mit einer hohen Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit zu­sam­men­hängt. D.h., wenn ich mich in der Part­ner­schaft häu­fig gut un­ter­stützt fühle, bin damit ich auch zu­frie­de­ner. Das be­deu­tet, meine Zu­frie­den­heit mit der Part­ner­schaft hängt stark damit zu­sam­men, wie ich mich in Stress­zei­ten durch mei­nen Part­ner un­ter­stützt fühle. Die Rolle des Part­ners in Stress­zei­ten ist somit hoch re­le­vant.

 

Bitte er­klä­ren Sie uns den Zu­sam­men­hang zwi­schen dya­di­schem Co­ping und Stress.

Es hat sich ge­zeigt, dass Stress einen ne­ga­ti­ven Ein­fluss auf die Part­ner­schaft hat, und dass dya­di­sches Co­ping die­sen ne­ga­ti­ven Ein­fluss "puf­fern", d.h. ab­schwä­chen kann. Damit ist dya­di­sches Co­ping eine wich­ti­ge Res­sour­ce für eine ge­lin­gen­de Part­ner­schaft. Zum Bei­spiel kann All­tags­stress zu ver­mehr­ten Kon­flik­ten in der Part­ner­schaft füh­ren. Bei gutem dya­di­schem Co­ping hin­ge­gen ist die­ses "Über­schwap­pen" von All­tags­stress auf die Part­ner­schaft we­ni­ger stark. Die ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung ist damit ein zen­tra­les Ele­ment für die Zu­frie­den­heit in der Part­ner­schaft.

 

Be­son­ders pro­ble­ma­tisch für die Part­ner­schaft ist chro­ni­scher Stress: Wenn ein Part­ner oder beide Part­ner im All­tag häu­fig ge­stresst sind, dann häu­fen sich auch die Tage, an denen Kon­flik­te in­ner­halb der Part­ner­schaft auf­tre­ten. Diese Ku­mu­la­ti­on von Kon­flik­ten über eine län­ge­re Zeit führt zu einem Ab­fall der Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit und kann in einer Tren­nung oder Schei­dung enden. Dya­di­sches Co­ping kann die­sem Pro­zess ent­ge­gen­wir­ken. 

 

Ergab die Stu­die noch an­de­re in­ter­es­san­te Re­sul­ta­te?

Ja, sie hat zum Bei­spiel ge­zeigt, dass es sehr re­le­vant für die Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit ist, wie sich die Part­ner un­ter­stützt füh­len. Dies ist re­le­van­ter als die Art, wie die Part­ner glau­ben, ein­an­der zu un­ter­stüt­zen. Wei­ter gibt es po­si­ti­ve und ne­ga­ti­ve For­men der Un­ter­stüt­zung, wobei die Stu­die ge­zeigt hat, dass die po­si­ti­ven For­men wich­ti­ger sind. Po­si­ti­ve For­men sind zum Bei­spiel, der Part­ne­rin auf­merk­sam zu­zu­hö­ren und ihr zu si­gna­li­sie­ren, dass man für sie da ist. Auch das An­ge­bot, das Pro­blem mit­ein­an­der durch­zu­ge­hen oder einen Rat­schlag zu geben, ge­hört dazu. Ne­ga­ti­ve For­men sind zum Bei­spiel, das Pro­blem des Part­ners klein­zu­re­den und ihm zu er­klä­ren, dass es doch gar nicht so schlimm sei und er über­re­agie­re. So fühlt er sich nicht ernst ge­nom­men. Manch­mal ist das glei­che Pro­blem über län­ge­re Zeit ein Thema. Es kann pas­sie­ren, dass man all­mäh­lich nur noch schwer Ver­ständ­nis für den An­de­ren auf­bringt und ihm die­ses Ge­fühl auch ver­mit­telt. Das ist eine wei­te­re ne­ga­ti­ve Form. Der ge­stress­te Part­ner spürt dann viel­leicht, dass man ihm die Un­ter­stüt­zung nur wi­der­wil­lig gibt. Er nimmt viel­leicht auch wahr, dass meine ver­ba­len und non­ver­ba­len Si­gna­le wi­der­sprüch­lich sind und fühlt sich un­ver­stan­den. 

 

Eine po­si­ti­ve Un­ter­stüt­zung wäre in einem sol­chen Fall, dass ich nach­fra­ge, wes­halb das Pro­blem für meine Part­ne­rin nach wie vor wich­tig ist. Ich könn­te auch fra­gen, wie es ihr dabei geht. Viel­leicht kann ich so ihre Ge­füh­le bes­ser nach­voll­zie­hen und da­durch auch mehr Ver­ständ­nis auf­brin­gen.

 

Wie kön­nen Part­ner nun kon­kret mit dya­di­schem Co­ping auf Stress re­agie­ren?

*Dya­di­sches Co­ping fängt mit der Stres­säus­se­rung des einen Part­ners an. Stress kann auf un­ter­schied­li­che Arten ge­äus­sert wer­den: Ich kann sach­lich er­klä­ren, was pas­siert ist oder schil­dern, was die Er­eig­nis­se in mir aus­ge­löst haben (emo­ti­ons­be­zo­ge­ne Stres­säus­se­rung). Oder ich kom­mu­ni­zie­re mei­nen Stress non­ver­bal, zum Bei­spiel durch lau­tes Aus­schnau­fen oder Seuf­zen. Auf diese Stres­säus­se­run­gen kön­nen un­ter­schied­li­che For­men der Un­ter­stüt­zung fol­gen. Ei­ner­seits soll die Un­ter­stüt­zung den Stress mi­ni­mie­ren, so dass es dem Part­ner bes­ser geht. Das ist aber nur eine der Fol­gen. Indem er dar­auf ein­geht, ent­steht auch eine neue ge­gen­sei­ti­ge Nähe zwi­schen bei­den. Die ge­stress­te Part­ne­rin fühlt sich an­ge­nom­men und ver­stan­den, und der un­ter­stüt­zen­de Part­ner ver­steht, was sie be­las­tet und wes­halb. So ent­steht eine Nähe, wel­che die Part­ner­schaft wei­ter­bringt. 

 

Wie kann ich meine Part­ne­rin un­ter­stüt­zen, wenn sie zum Bei­spiel beim Ein­kauf genau den wich­tigs­ten Ar­ti­kel ver­ges­sen hat und sich jetzt nervt? 

Meis­tens reicht es in einem sol­chen Fall, wenn Sie zu­hö­ren und dann be­stä­ti­gen, dass die An­ge­le­gen­heit wirk­lich ner­vig ist.

 

Ist es nicht sinn­voll, wenn ich ihr an­bie­te, den ver­ges­se­nen Ar­ti­kel für sie ein­kau­fen zu gehen?

Das wäre eine sach­be­zo­ge­ne Un­ter­stüt­zung. Im ers­ten Fall wäre die Un­ter­stüt­zung emo­ti­ons­be­zo­gen, im letz­ten Fall sach­be­zo­gen, indem Sie das Pro­blem lösen und es damit aus der Welt schaf­fen. Sach­be­zo­ge­ne Un­ter­stüt­zung kann in ge­wis­sen Si­tua­tio­nen durch­aus sinn­voll sein, das ist sehr in­di­vi­du­ell. Aber es ist auch in sol­chen Fäl­len güns­tig, wenn er zu­erst Ver­ständ­nis für ihren Stress auf­bringt. Oft ist dann die sach­be­zo­ge­ne Un­ter­stüt­zung gar nicht mehr nötig. Wenn die sach­be­zo­ge­ne Un­ter­stüt­zung zu früh kommt, fühlt sich die Part­ne­rin in ihren Emo­tio­nen nicht ab­ge­holt. Denn es ist die emo­tio­na­le Un­ter­stüt­zung, die Nähe schafft. 

 

Durch un­se­re For­schung hat vor allem die­ser Punkt an Ge­wicht ge­won­nen. Die emo­tio­na­le Be­geg­nung ist ent­schei­dend. Stress ist für jeden Men­schen eine sehr in­di­vi­du­el­le An­ge­le­gen­heit. In der Part­ner­schaft ist es wich­tig zu ver­ste­hen, was den An­de­ren stresst und was er in ihm oder ihr aus­löst. Nähe zwi­schen den Part­nern ent­steht erst, wenn die­ser dya­di­sche Pro­zess ge­lingt. Es geht um die emo­tio­na­le Be­geg­nung und nicht pri­mär darum, dass ich dem Part­ner seine Pro­ble­me löse und ihn von Las­ten be­freie. 

 

Eine zwei­te Stu­die hat auch love sty­les in die Un­ter­su­chung ein­be­zo­gen. Wel­che „Lie­bes­sti­le“ un­ter­schei­den Sie?

Ein Lie­bes­stil be­zeich­net, was ich in der Part­ner­schaft unter Liebe ver­ste­he, wie ich Liebe de­fi­nie­re, re­flek­tiert also meine Ein­stel­lung zur Liebe. Wir un­ter­schei­den sechs Lie­bes­sti­le: Eros, Stor­ge, Agape, Ludus, Prag­ma und Mania. Unter Eros ver­ste­hen wir die ro­man­ti­sche Liebe. Die phy­si­sche An­zie­hung ist stark und wich­tig, die Liebe ist ge­prägt von Lei­den­schaft. Man glaubt, die "wahre Liebe" ge­fun­den zu haben und fühlt sich dem An­de­ren emo­tio­nal stark ver­bun­den. Die freund­schaft­li­che Liebe (Stor­ge) ist eine Ein­stel­lung zur Liebe, in der die Ver­traut­heit, die freund­schaft­li­che Ver­bun­den­heit und Nähe sehr wich­tig sind. Bei der al­tru­is­ti­schen Liebe (agape) sind vor allem die Be­dürf­nis­se des Part­ners wich­tig. Bei der spie­le­ri­schen Liebe (ludus) steht der spie­le­ri­sche As­pekt im Vor­der­grund. Man be­trach­tet die Liebe als we­ni­ger ver­bind­lich und kann auch gleich­zei­tig meh­re­re Part­ner haben, ohne dass die je­wei­li­gen Part­ner von­ein­an­der wis­sen. Per­so­nen mit einer spie­le­ri­schen Ein­stel­lung zur Liebe sind der An­sicht, dass die ak­tu­el­le Part­ne­rin – oder der Part­ner – über bis­he­ri­ge Lie­bes­be­zie­hun­gen und Fehl­trit­te nicht Be­scheid wis­sen muss. 

 

Per­so­nen mit einer prag­ma­ti­schen Ein­stel­lung zur Liebe (Prag­ma) über­le­gen sich, wel­che Fol­gen das Ein­ge­hen der Be­zie­hung hat. Sie über­le­gen zum Bei­spiel, wie seine ge­sell­schaft­li­che Stel­lung und sein fa­mi­liä­res Um­feld zu den ei­ge­nen Zu­kunfts­plä­nen pas­sen. Das Ab­wä­gen die­ser Fak­to­ren soll eine dau­er­haf­te und nach­hal­ti­ge Be­zie­hung si­chern. Sol­che Über­le­gun­gen wer­den aber vor­wie­gend bei ar­ran­gier­ten Ehen ge­macht. 

 

Eine Per­son mit dem Lie­bes­stil Mania, der be­sitz­er­grei­fen­den Liebe, sucht häu­fig die Be­ach­tung des Part­ners. Sie hat das Ge­fühl, ohne ihn nicht leben zu kön­nen. Sie tut manch­mal auch un­über­leg­te Dinge, nur um seine Auf­merk­sam­keit zu be­kom­men.

 

Wel­chen Ein­fluss haben die Lie­bes­sti­le auf das dya­di­sche Co­ping? 

Eros und Agape sind mit dya­di­schem Co­ping und Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit as­so­zi­iert. Paare mit die­sen Lie­bes­sti­len un­ter­stüt­zen sich ge­gen­sei­tig bes­ser und wei­sen eine hö­he­re Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit auf. Ludus, die spie­le­ri­sche Ein­stel­lung zur Liebe, ist mit ge­rin­ge­rer ge­gen­sei­ti­ger Un­ter­stüt­zung as­so­zi­iert. Die­ser ne­ga­ti­ve Ef­fekt fin­det sich je­doch haupt­säch­lich bei Frau­en. Ist bei den Män­nern der Lie­bes­stil Ludus stär­ker aus­ge­prägt, hängt dies kaum mit ge­rin­ge­rem dya­di­schem Co­ping und ge­rin­ge­rer Be­zie­hungs­zu­frie­den­heit zu­sam­men. Die Au­to­ren er­klä­ren dies damit, dass Ludus bei Män­nern eher ak­zep­tiert wird als wenn Frau­en ihn prak­ti­zie­ren.

 

Die drit­te Stu­die be­fasst sich mit Re­li­gi­on und Glau­be als Fak­to­ren der Part­ner­schafts­zu­frie­den­heit. Wie wir­ken sie sich auf Part­ner­schaf­ten aus?

Hier geht es um die "sanc­tifi­ca­ti­on" der Ehe. Ge­meint ist damit das Ge­fühl, dass die Ehe von Gott mit­be­stimmt und damit hei­lig ist, dass Gott bei der Ent­ste­hung der Ehe eine Rolle ge­spielt und die Part­ner zu­sam­men­ge­führt hat. Es geht also um die gläu­bi­ge, spi­ri­tu­el­le Kom­po­nen­te. Sol­che Paare sind zu­frie­de­ner in ihrer Be­zie­hung und un­ter­stüt­zen sich bes­ser. Eine mög­li­che Er­klä­rung dafür ist: Weil diese Paare ihre Ehe als hei­lig wahr­neh­men, un­ter­stüt­zen sie sich in schwie­ri­gen Zei­ten häu­fi­ger und bes­ser und sind des­halb zu­frie­de­ner.

 

Wie brin­gen Sie die Er­kennt­nis­se rund um das dya­di­sche Co­ping unter die Leute?

Pro­fes­sor Guy Bo­den­mann ist dies­be­züg­lich sehr aktiv. Er hat Bü­cher ver­fasst, Kurse ent­wi­ckelt und hält häu­fig Vor­trä­ge dar­über. Ganz neu hat er auch eine Bro­schü­re ge­schrie­ben, die künf­tig auf Stan­des­äm­tern im Kan­ton Bern allen Neu­ver­mähl­ten ab­ge­ge­ben wer­den soll und In­for­ma­tio­nen ent­hält, wie diese Ihre Ehe pfle­gen und schüt­zen kön­nen. Sie ent­hält neben den prä­ven­ti­ven An­ge­bo­ten un­se­res In­sti­tuts di­rek­te in­halt­li­che An­re­gun­gen zur Part­ner­schafts­pfle­ge. Sie be­tont zum Bei­spiel, dass es wich­tig ist, sich in der Part­ner­schaft immer wie­der im per­sön­li­chen Ge­spräch zu be­geg­nen. Viele Ehe­paa­re tun dies an­fäng­lich häu­fig und gut, aber mit der Zeit schleicht sich der All­tag mit sei­nen Las­ten und Pro­ble­men ein, oft auch wenn das erste Kind kommt – und die Part­ner­schafts­be­zie­hung flacht ab. Wenn dann beide häu­fig ge­stresst sind, ist die Be­zie­hung ge­fähr­det. Und ge­ra­de dann ist das dya­di­sche Co­ping ganz wich­tig. 

 

Auch wenn beide Part­ner ge­stresst sind?

Dann wird es be­son­ders schwie­rig, da beide Part­ner auf­grund ihres ei­ge­nen Stres­ses we­ni­ger En­er­gie haben, den An­de­ren zu un­ter­stüt­zen. Hier gibt es Hin­wei­se für eine ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Er­schei­nung. Eine Stu­die hat ge­zeigt, dass ge­stress­te Frau­en bes­ser als ge­stress­te Män­ner in der Lage sind, dya­di­sches Co­ping zu pfle­gen. Sie kön­nen ihren Part­ner auch dann noch emo­tio­nal un­ter­stüt­zen, wenn sie sel­ber ge­stresst sind, wäh­rend bei Män­nern diese Fä­hig­keit unter Stress ein­bricht. 

 

Infos zu Prof. Guy Bo­den­mann

 

(Anm.)

* Die Me­ta-Ana­ly­se lie­fert Aus­sa­gen, die über­grei­fend ver­schie­de­ne Be­din­gun­gen und Län­der, in denen die Stu­di­en statt­ge­fun­den haben, er­fasst. So wer­den stär­ke­re Aus­sa­gen mög­lich, als sie eine ein­zel­ne Stu­die lie­fern kann. Die meis­ten Stu­di­en ba­sie­ren auf ca. 70 – 200 Paa­ren. In einer Me­ta-Ana­ly­se hin­ge­gen wer­den die Daten von viel mehr Per­so­nen be­rück­sich­tigt, so­dass zu­ver­läs­si­ge­re Aus­sa­gen mög­lich wer­den.

 

Lo­re­na Leucht­mann, *1990, hat 2014 mit einem Mas­ter of Sci­ence in Psy­cho­lo­gie, Schwer­punkt kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie, an der Uni­ver­si­tät Zü­rich, ab­ge­schlos­sen. Ak­tu­ell ist sie For­schungs­as­sis­ten­tin und Dok­to­ran­din am Lehr­stuhl Kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie mit Schwer­punkt Kin­der/Ju­gend­li­che und Paare/Fa­mi­li­en bei Prof Guy Bo­den­mann. Die  aus­ge­bil­de­te paar­li­fe-Trai­ne­rin ist auch prä­ven­tiv im Be­reich Part­ner­schaf­ten aktiv.

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