Zukunft der Familien – drei Herausforderungen an die Gesellschaft

28.06.2016

„Das klassische Familienmodell hat zurzeit keine Zukunft.“ So drastisch sagt es der Soziologe und Familienforscher Hans Bertram, emeritierter Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Er sieht daher die Gesellschaft vor eine dreifache Herausforderung gestellt. Insbesondere auch die Wirtschaft, die auf eine noch stärkere Integration der Frauen in die Arbeitswelt drängt.

 

(SSF/im.) Die Fa­mi­lie als Ge­mein­schaft von „Vater, Mut­ter und Kind(er)“ gibt es seit dem 19. Jahr­hun­dert. Bis in die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­dert galt eine klas­si­sche Ar­beits­tei­lung. Der Vater ver­dien­te das Ein­kom­men, die Mut­ter be­sorg­te den Haus­halt und die Er­zie­hung und er­brach­te damit eine min­des­tens eben­so gros­se Ar­beits­leis­tung wie der Vater. Noch nach dem Zwei­ten Welt­krieg ar­bei­te­te eine Mut­ter rund 80 Stun­den pro Woche und ver­brauch­te eben­so viele Ka­lo­ri­en wie ein Stahl­ar­bei­ter, gibt Ber­tram zu be­den­ken.

 

Wäh­rend da­mals auch ein Ar­bei­ter einen Fa­mi­li­en­lohn ver­dien­te, reicht heute ein Ein­kom­men häu­fig  nicht mehr für den Un­ter­halt einer Fa­mi­lie aus. Zudem wer­den die gut aus­ge­bil­de­ten Frau­en von der Wirt­schaft mehr denn je ge­braucht. Doch die Be­rufs­welt nimmt immer noch wenig Rück­sicht auf die Be­dürf­nis­se der Fa­mi­lie, stell­te Ber­tram an einer Fach­ta­gung zum Thema „Wer darf El­tern sein?“ an der Uni­ver­si­tät Fri­bourg am 17. Juni 2016 fest. Denn „El­tern müs­sen ihre Zeit nach der Zeit der Kin­der aus­rich­ten.“ Kin­der kön­nen sich nicht an die Ar­beits­zei­ten der El­tern an­pas­sen. Ber­tram sagt es dras­tisch: „Die Be­rufs­welt be­straft das Kin­d­er­ha­ben und die Für­sorg­lich­keit.“

 

Drei Her­aus­for­de­run­gen für die Ge­sell­schaft

Die Ge­sell­schaft steht somit laut Ber­tram vor drei Her­aus­for­de­run­gen: Ers­tens muss sie die Frage klä­ren: Wie sieht eine be­rufs­be­glei­te­te El­tern­schaft aus? Heute muss sich eine Fa­mi­lie der Be­rufs­welt an­pas­sen. Es müss­te aber um­ge­kehrt sein, for­dert Ber­tram. Er kann sich vor­stel­len, dass eine Firma oder ein Kon­zern ein be­stimm­tes Mass an Für­sorg­lich­keit bzw. so­zia­les und fa­mi­liä­res En­ga­ge­ment von lei­ten­den Mit­ar­bei­ten­den ver­langt. Zudem könn­te die Be­rufs­welt auch tem­po­rä­re Aus­stiegs­mög­lich­kei­ten ohne Nach­tei­le für die Lauf­bahn schaf­fen.

Zwei­tens müs­sen Po­li­tik und Wirt­schaft die Frage klä­ren: Wie kann die (be­ruf­li­che) Be­nach­tei­li­gung, die aus der Kin­der­be­treu­ung ent­steht, kom­pen­siert wer­den? Heute er­lei­den El­tern, die sich in hohem Mass für die Fa­mi­li­en­ar­beit ent­schei­den, Nach­tei­le na­ment­lich im Beruf (Kar­rie­re) und bei der fi­nan­zi­el­len Ab­si­che­rung im Alter. Und dies, ob­wohl sie wich­ti­ge Leis­tun­gen zu­guns­ten der Ge­sell­schaft er­brin­gen.

 

Somit stellt sich auch die Frage: Wel­chen (fi­nan­zi­el­len) Bei­trag leis­ten die­je­ni­gen an die Für­sorg­lich­keit, die sich nicht für Kin­dern ent­schei­den? Hier tut sich die Po­li­tik be­son­ders schwer, wie das Bei­spiel Deutsch­land zeigt, wo das Ver­fas­sungs­ge­richt eine Kom­pen­sa­ti­on ver­langt, die von Re­gie­rung und Par­tei­en aber nach wie vor igno­riert wird. 

 

Die meis­ten Re­fe­ra­te der Fach­ta­gung „Wer darf El­tern sein?“ sind als Fo­li­en auf­ge­schal­tet.

Fle­xi­bi­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dern Ar­beit und Fa­mi­li­en­le­ben

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