Eine Familienfrau legt ihre Forderungen auf den Tisch

09.08.2016

Ein Redaktor – eine berufstätige Mutter – drei Kinder. Wie geht das? Der abtretende Blattmacher der Nordwestschweiz, Giery Cavelti, interviewt seine Frau Sibylle Stillhart, Journalistin und Buchautorin. Sie stellt knallharte Forderungen an die Schweizer Politik.

 

(SSF/im.) Die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­li­en­ar­beit und Beruf ist ein Dau­er­bren­ner an Fa­mi­li­en­kon­fe­ren­zen. Das Thema ist noch bri­san­ter ge­wor­den, seit­dem die Wirt­schaft die letz­ten ver­blie­be­nen Frau­en am Herd an die Kan­dar­re neh­men will. Wer sich, gut aus­ge­bil­det, dem Ruf ins Büro, das Kran­ken­bett oder das Labor, wi­der­setzt, muss sich recht­fer­ti­gen.

 

Giery Ca­vel­ti und Sy­bil­le Still­hart kön­nen kaum als tra­di­tio­nell-kon­ser­va­ti­ves Paar be­zeich­net wer­den. Auch wenn sie ver­hei­ra­tet sind, drei Kin­der haben und die Mut­ter vor­wie­gend die Fa­mi­li­en­ar­beit ver­rich­tet, wäh­rend der Vater oft lange in der Re­dak­ti­on ar­bei­te­te. Doch in einem Punkt teilt sie die Klage vie­ler tra­di­tio­nel­ler Fa­mi­li­en­frau­en: „In un­se­rer Leis­tungs­ge­sell­schaft zählt nicht, was eine Mut­ter – oder in we­ni­gen Fäl­len ein Vater – leis­tet. Haus­halt? Das gilt nicht als Ar­beit.“

 

Ver­ein­bar – wie bitte?

Sie hin­ter­fragt die all­ge­mein ver­brei­te­te An­sicht, Fa­mi­li­en­ar­beit und Er­werbs­ar­beit lies­sen sich mit gutem Wil­len ver­ein­ba­ren. Und sie kri­ti­siert die Wirt­schaft, wel­che be­haup­te, ihr sei die Ver­ein­bar­keit sehr wich­tig. Sy­bil­le Still­hart ver­misst den Tat­be­weis.  Ihr selbst ist der Spa­gat zwar ge­lun­gen, weil sie nach der Ge­burt des zwei­ten Kin­des nicht mehr als An­ge­stell­te, son­dern als freie Jour­na­lis­tin und Buch­au­to­rin ar­bei­tet. Ohne diese Lö­sung hätte es kein drit­tes Kind ge­ge­ben, sagt sie.

 

Auch in der Po­li­tik ver­misst sie den Tat­be­weis. Fa­mi­li­en­po­li­tik sei im Schwei­zer Par­la­ment die Sache ei­ni­ger lin­ker Po­li­ti­ke­rin­nen, die sich aber nicht durch­set­zen kön­nen. Das Par­la­ment hat aber die Wei­chen längst so ge­stellt, dass Fa­mi­li­en­frau­en nach einer Schei­dung fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me haben und nach der Pen­sio­nie­rung keine aus­rei­chen­de Rente zur Ver­fü­gung steht. 

 

Be­zahl­te = wert­ge­schätz­te Ar­beit

Die Haupt­for­de­run­gen von Still­hart lau­ten daher: Fa­mi­li­en- und Care­ar­beit muss von der Ge­sell­schaft be­zahlt wer­den. Erst dann wird ihr auch ein ech­ter Wert zu­ge­spro­chen. Und: Die Ar­beits­zei­ten müs­sen kür­zer – und ef­fi­zi­en­ter – wer­den, damit mehr Zeit für die Fa­mi­lie bleibt. Und sie for­dert in einer ech­ten gleich­be­rech­tig­ten Ge­sell­schaft, dass Fa­mi­li­en die Wahl haben, ihr Le­bens- und Be­treu­ungs­mo­dell frei zu wäh­len. 

 

Sie ist sich dabei be­wusst, dass be­son­ders dort, wo Kos­ten an­fal­len, ihre Ideen bis auf Wei­te­res eine Uto­pie blei­ben wer­den. 

 

Giery Ca­vel­ty be­en­de­te jetzt seine jour­na­lis­ti­sche Kar­rie­re und ist neu In­for­ma­ti­ons­chef beim Staats­se­kre­ta­ri­at für Mi­gra­ti­on (SEM). Viel­leicht lässt ihm das bald mehr Zeit für die Fa­mi­lie.

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