Wie schädlich sind die neuen Medien wirklich?

07.09.2016

Zuerst schienen die Neuen Medien die Jugend und die Familien zu überrollen. Dann wurde entdramatisiert. Jetzt bahnt sich ein sachlicher Umgang mit dem Thema an. Aber die Herausforderungen bleiben.

 

(SSF/im.) Guy Bo­den­mann, Pro­fes­sor für Psy­cho­lo­gie und Fa­mi­li­en­the­ra­peut, hat zu­sam­men mit sei­ner Oberas­sis­ten­tin Mar­ti­na Zemp die For­schungs­er­geb­nis­se über die Aus­wir­kun­gen von neuen Me­di­en auf Kin­der und Ju­gend­li­che zu­sam­men­ge­tra­gen. In einer Bro­schü­re "Neue Me­di­en und kind­li­che Ent­wick­lung" fasst er die Er­geb­nis­se über­sicht­lich zu­sam­men und gibt El­tern eine Reihe von Tipps und Emp­feh­lung zum Um­gang mit ihren Kin­dern, wenn es um In­ter­net, Games, Handy und Co. geht.

 

Die Au­to­ren haben sich dabei die fol­gen­den Fra­gen ge­stellt, die sie aus­führ­lich be­ant­wor­ten und dann eine knap­pe Zu­sam­men­fas­sung lie­fern.

 

Ma­chen neue Me­di­en ag­gres­siv?

Ge­mäss den Stu­di­en gilt ex­zes­si­ver Kon­sum von ge­walt­hal­ti­gen Me­di­en „als ro­bus­ter Prä­di­ka­tor“ (an­er­kann­te Vor­aus­set­zung/Ur­sa­che) für ag­gres­si­ves Ver­hal­ten bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen. Die For­schungs­la­ge deu­tet dar­auf hin, dass der Kon­sum von ag­gres­si­ven Me­di­en­in­hal­ten zu den zehn stärks­ten Ri­si­ko­fak­to­ren für ge­walt­tä­ti­ges und de­lin­quen­tes Ver­hal­ten im Ju­gend­al­ter ge­hört.

 

Ma­chen neue Me­di­en süch­tig?

Die Au­to­ren be­ja­hen diese Frage klar. Sie schrei­ben: „Durch ihr gros­ses Re­ser­voir an Be­loh­nung und Sti­mu­la­ti­on ist neuen di­gi­ta­len An­ge­bo­ten ein Ri­si­ko für Sucht­ent­wick­lun­gen in­hä­rent.“ Die Be­grün­dung dafür: „Der hoch­gra­dig reiz­vol­le und be­loh­nen­de Cha­rak­ter neuer Me­di­en er­schwert vie­len Kin­dern und Ju­gend­li­chen ein aus­ge­wo­ge­nes, selbst­be­stimm­tes Kon­sum­ver­hal­ten.“ In­zwi­schen ver­glei­che auch die Psych­ia­trie In­ter­net­sucht mit Ab­hän­gig­kei­ten wie He­ro­in­sucht.

 

Ma­chen neue Me­di­en dumm?

Über­mäs­si­ger Me­di­en­kon­sum kann die Schul­leis­tun­gen be­ein­träch­ti­gen. Lehr­per­so­nen und For­scher stel­len ein Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit fest, wobei sie noch nicht ganz si­cher sind, wie weit der Me­di­en­kon­sum oder ein ADHS Ur­sa­che sind. Wich­tig sind in die­sem Zu­sam­men­hang die Häu­fig­keit des Me­di­en­kon­sums und auch die In­hal­te.

 

Ma­chen neue Me­di­en hy­per­ak­tiv?

Hier sind sich die For­scher noch nicht si­cher, was zu­erst war. Sie hal­ten aber fest, dass ein Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit in der Schu­le eine ne­ga­ti­ve Folge von Me­di­en­kon­sum sein kann.

 

Nebst Ge­fah­ren sehen Bo­den­mann/ Zemp auch po­si­ti­ve Ef­fek­te von neuen Me­di­en.

Fern­seh­sen­dun­gen, die das so­zia­le und er­zie­he­ri­sche Ver­hal­ten för­dern sowie und Com­pu­ter­pro­gram­me, zum Bei­spiel Lern­spie­le, wel­che die ko­gni­ti­ven (den­ke­ri­schen) Fä­hig­kei­ten an­re­gen, haben auch po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Ent­wick­lung der Kin­der.

 

Was El­tern und Pro­fes­sio­nel­le tun kön­nen

El­tern sind durch die neuen Me­di­en be­son­ders her­aus­ge­for­dert. Die Ge­sell­schaft stellt sie in die Ver­ant­wor­tung und trägt wenig dazu bei, sie zu ent­las­ten. Wich­tig ist, dass die El­tern sich kun­dig ma­chen über die neuen Me­di­en und ihre Kin­der in die­sem Be­reich be­glei­ten und sie er­zie­hen. Die Bro­schü­re von Bo­den­mann/Zemp ver­steht sich be­son­ders als Hilfe für die El­tern und bringt auch eine Samm­lung von ganz prak­ti­schen Tipps und eine Liste von 10 „Emp­feh­lun­gen für El­tern“.

 

So­eben hat auch die Fach­stel­le Sucht Schweiz Tipps für El­tern von Ju­gend­li­chen und Kin­dern her­aus­ge­ge­ben, die den Me­di­en­kon­sum nicht im Griff haben. Die Fach­stel­le schafft es, die wich­tigs­ten Re­geln in sechs Punk­ten zu­sam­men­zu­fas­sen.

 

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