Glückliche Partnerschaften senken Gesundheitskosten

08.11.2016

Stabile Paarbeziehungen haben grosse Auswirkungen auf die Gesundheit der Beteiligten und steigern ihr Wohlbefinden. Das in zweiter Auflage erschienene „Lehrbuch Klinische Paar- und Familienpsychologie“ unterstreicht diese Tatsachen und hat zum Ziel, Paaren zu einer langen Beziehungszufriedenheit zu verhelfen. Die Basis sind zahlreiche Studien, aus denen der Zürcher Forscher und Paartherapeut Guy Bodenmann die Schlussfolgerungen zieht und entsprechende Therapien entwickelt hat.

 

(SSSF/im.) Im „Lehrbuch Klinische Paar- und Familienpsychologie“ schreibt Prof. Guy Bodenmann, Leiter des Instituts für Klinische Paar- und Familienpsychologie an der Uni Zürich: „Allein die Tatsache, verheiratet zu sein oder in einer stabilen festen Beziehung zu leben, ist hochgradig gesundheitsrelevant.“ Der Autor gibt ein Beispiel: „Eine stabile Partnerschaft senkt bei Frauen die Mortalitätsrate um 50 Prozent und bei Männern um 250 Prozent.“ Der Grund: „Das Befinden von Personen in die stabile Partnerschaft beziehungsweise Ehe ist deutlich besser als das von ledigen Personen, die ihrerseits ein besseres Befinden angeben als Verwitwete oder getrennt Lebende beziehungsweise Geschiedene.“ Eine glückliche Partnerschaft sei zudem aus „bindungstheoretischen und gesundheitsverhaltensbezogenen Gründen ein zentraler Resilienzfaktor“.

 

Gesundheit- und Sozialpolitiker müssten somit daran interessiert sein, auch wirtschaftliche und soziale Kosteneinsparungen zu erheben, welche sich durch stabile Beziehungen ergeben. Man darf die Vermutung wagen, dass die zunehmend labilen menschlichen Beziehungen eine massgebliche Ursache für die steigenden Gesundheits- und Sozialkosten sind – ganz abgesehen vom psychischen und körperlichen Leiden der Betroffenen, die entstehen, wenn Beziehungen zerbrechen. 

 

Die Sehnsucht nach der stabilen, glücklichen Beziehung

Das Problem in unseren Breitengraden scheint darin zu bestehen, dass die meisten Menschen nach wie vor grosses Interesse an einer stabilen Beziehung, insbesondere der Ehe, haben. Obwohl viele Ehen scheitern, heiraten zwei Drittel der Geschiedenen wieder, womit sie ihr Interesse an einer neuen Beziehung zum Ausdruck bringen, trotz einer oder mehrerer Negativerfahrungen mit einem Partner oder einer Partnerin. Insgesamt heiraten 80-90 Prozent der Bevölkerung irgendeinmal, so der statistische Befund.  

 

Dennoch – oder gerade deshalb – stellt Bodenmann auch eine grosse Pluralität der Familienformen in Geschichte und Gegenwart fest. Im Gegensatz zu früher habe die Familie zwar verschiedene Funktionen wie etwa die wirtschaftliche Absicherung der Frau verloren, aber der Beziehungsaspekt sei wichtiger geworden. Sie leiste einen grossen Beitrag an die „emotionale, kognitiv-intellektuelle und moralisch-ethische Entwicklung“ der Familienglieder und fördere das Wohlbefinden aller Beteiligten. Dabei seien Zwei-Eltern-Familien den Familien mit nur einem Elternteil stark überlegen. Er gesteht diese Wirkung auch gleichgeschlechtlichen Eltern zu „sofern es ihnen gelingt, förderliche Entwicklungsbedingungen zu bieten“.

 

Scheidungen als Zeiterscheinung

Unter den Familienformen ist aber die Scheidungsfamilie laut Bodenmann „eindeutig eine Zeiterscheinung der Moderne“. Zwar habe es auch früher nicht weniger Stief- und Fortsetzungsfamilien gegeben, doch erst in der Moderne gingen sie vor allem auf Scheidungen zurück. Für Bodenmann lautet nun die Folgerung, dass an der Qualität der Paarbeziehungen gearbeitet werden muss. Denn: „Die Qualität der Paarbeziehungen beeinflusst massgeblich die Qualität der Elternbeziehungen.“ Und: „Die meisten Paare unterschätzen ihr eigenes Scheidungsrisiko“. Obwohl zwei Drittel der Paare ihre Beziehung auch nach mehreren Ehejahren noch als „glücklich“ einschätzen, lassen sie sich viele davon später scheiden. Doch gerade auf die Partnerschaftszufriedenheit kommt es an, wenn die Beziehung halten soll.

 

Resilienzfaktoren in der Familie

Bodenmann hat seine Forschung in den vergangenen Jahren darauf gerichtet, die Ursachen der Partnerschaftszufriedenheit und der Abnahme dieser Zufriedenheit zu erforschen. Stress bildet demnach heute eine wichtige Ursache für Beziehungs-Unzufriedenheit. Er hat Methoden entwickelt, die Paaren helfen, ihre Partnerschaftszufriedenheit zu bewahren oder wieder zu einer guten Partnerschaft zurückzufinden. Er hat auch die Wirkungen von Partnerschaftsstörungen auf die Kinder erforscht und dabei beunruhigende Entwicklungen festgestellt. Psychische Störungen, Scheidung und die Bedeutung für die Familie sowie familiäre Gewalt sind die Themen, die er bearbeitet und im „Lehrbuch Klinische Paar- und Familienpsychologie“ aufgearbeitet hat, das jetzt in zweiter Auflage erschienen ist. Er behandelt darin auch das Thema „Familie als Resilienzfaktor“ und beschreibt Formen der Prävention im Rahmen von Partnerschaft und Familie.

 

„Dyadisches Coping“

Mit dem Programm „Paarlife“ hat er ein Tool zur Paartherapie entwickelt. Im Rahmen der Paarberatung hat der das Konzept des „dyadischen Copings“ entwickelt. Dies aus der Beobachtung heraus, dass oft die Partner in Krisen sich gegenseitig unterstützen können, sodass der kompetente Therapeut beide Partner in die Behandlung einbezieht. Ein Kapitel widmet sich der Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis gehört selbstverständlich dazu. Ein Sachwortverzeichnis hilft Fachleuten und Interessierten, schnell die wichtigsten Passagen in dem über 400 Seiten starken Buch zu finden.

 

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