Krippenplatzierung unter drei Jahren im Fokus Ab wann tun Krippen Kindern gut?

Die Tagung zum Thema Bindung des Psychologischen Instituts der Universität Zürich hat Spuren hinterlassen. Sie hat auch die Betreuung von Kleinkindern in Krippen neu in Frage gestellt.

Die Tagung Ende August, initiiert von Prof. Guy Bodenmann, Leiter des Psychologischen Instituts der Uni Zürich und bekannt als Pionier der Forschung in der Kinder- und Familienpsychologie, hatte vorerst trotz überraschender Inhalte in den Medien wenig Beachtung gefunden. Immerhin scheint die Medienmitteilung der Schweizerischen Stiftung für die Familie über die Tagung zeitverzögert zu neuen Artikel geführt zu haben. So hat der Tages-Anzeiger am 24. Oktober ein Gespräch mit Bodenmann geführt und dabei die begründeten Vorbehalte des Familienforschers gegen Krippenplatzierung von Kindern unter zwei bis drei Jahren in den Vordergrund gerückt.

Gute Bindung als Voraussetzung für die Krippe
Wörtlich sagte Bodenmann gegenüber dem Tagi: „Ideal für den Start des Krippenbesuchs wäre das Alter von 2 bis 3 Jahren, da das Kind dann bereits eine sichere Bindung zu seinen primären Bezugspersonen aufbauen konnte und nun mit Gleichaltrigen neue Erfahrungen machen und Sozialkompetenzen erwerben kann.“ Allerdings sei die Qualität der Krippe sehr wesentlich, da Kinder auch hier eine Bezugsperson brauchen, was eine Konstanz bei den Betreuerinnen erfordere. Zur Frage nach einem idealen Betreuungskonzept sagte Bodenmann: „Das kann unterschiedlich aussehen, von der Betreuung durch die Eltern, Grosseltern, eine verlässliche Tagesmutter, eine gute Krippe oder Kombinationen aus diesen Möglichkeiten. Wichtig ist immer, dass die eigenen Bedürfnisse und diejenigen des Kindes im Blick behalten werden und dass sie kompatibel sind, damit sich das Betreuungskonzept auch längerfristig als tragfähig erweist.“

Eine Betreuerin auf drei Kinder
Dieser Artikel löste  ein Interview in verschiedenen Zeitungen mit dem Zürcher Entwicklungspädiater Prof. Oskar Jenni aus. Angesprochen auf die Krippenfrage, sagte dieser Erstaunliches: Wenn die Erzieherinnen feinfühlig sind und die Signale des Kindes lesen können, wenn sie verfügbar und verlässlich sind, dann fühlen sich die Kinder auch wohl. Damit dies gewährleistet ist, sollte eine Betreuerin nicht für mehr als drei Kinder unter zwei Jahren verantwortlich sein. Bei älteren Kindern sollte der Betreuungsschlüssel das Verhältnis 1:4 nicht übersteigen. Die Eltern müssen sich also folgende Fragen stellen: Geht das Personal feinfühlig mit meinem Kind um? Ist dem Kind eine Bezugsperson zugeteilt? Lässt die Kita genug Zeit für die Eingewöhnung?
Jenni stützt die Position Bodenmanns indirekt auch, wenn er erklärt: „Kinder unter 15 Monaten sollten nicht mehr als 10 Stunden pro Woche in der Kita sein“. Zwar ermögliche das Müttern nicht einmal, zwei Tage an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Wenn sie aber länger abwesend sind, empfiehlt er wie Bodenmann eine Kombination von Betreuung durch Eltern, Grosseltern, eine verlässliche Tagesmutter oder eine gute Krippe. Studien des Psychologischen Instituts haben notabene gezeigt, dass Tagesmütter den Vorteil haben, dass sie zu einer konstanten Bezugsperson für das Kind werden können, was kaum eine Krippe leisten kann.

Online-Umfrage: Krippe und Bindung
Uns interessiert in dieser Diskussion Ihre Meinung. Ab welchem Alter ist die Krippe für ein Kind zu empfehlen? Welcher Betreuungsschlüssel fördert eine sichere Bindung? Fragen, die wie wir finden unbedingt gestellt werden müssen, denn es geht gut um ein ganz hohes Gut: unsere Kinder. 45% unsicher gebundene Kinder in der Schweiz zeigen auf, dass die Familie einen unersetzbaren Stellenwert hat. Wir finden, dass Primäre darf nicht zum Sekundären werden. Staatliche Einrichtungen können und sollen dabei die Eltern unterstützen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

direkt zur Miniumfrage „Krippe und Bindung“

Weihnachts-Gewinnspiel
Unter allen Lesern unserer Zeitschrift und Empfänger des Newsletters verlosen wir bis Weihnachten attraktive Warengutscheine von OCHSNER SPORT und IKEA. Einfach Name und vollständige Adresse an untenstehenden Link schicken und schon sind Sie im Lostopf automatisch mit dabei.
Zeitschrift bestellen
Am Wettbewerb teilnehmen

 

Please reload

Please reload

ARCHIV

BITTTE HELFEN SIE UNS HELFEN!

 

Postkonto 60-74959-6

IBAN CH90 0900 0000 6007 4959 6

ZEITSCHRIFT

 

Mit einem Unterstützungsabo von CHF 20 fördern Sie die Zeitschrift.

Schweizerische Stiftung für die Familie (SSF)

Forchstrasse 145 | 8032 Zürich

Telefon 044 252 94 12

info(at)stiftung-familie.ch | www.stiftung-familie.ch

  • White Twitter Icon
  • White Facebook Icon
  • Weiß YouTube Icon