Gezielte Hilfe für Familien am Rand der Gesellschaft

30.01.2018

Psychosozial belastete Familien müssen so bald wie möglich erreicht werden. Wenn Kinder aus diesen Familien erst in der Schule auffallen, sind Defizite nur mit grossem Aufwand zu beheben. In Zürich informierte eine Tagung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) über die Studie ZEPPELIN und die Folgerungen daraus.
 
Prof. Andrea Lanfranchi, Leiter Forschung und Entwicklung an der HfH, und sein Mitarbeiter Alex Neuhauser informierten am 24. Januar über die Resultate von ZEPPELIN (https://zeppelin-familien.ch) und das daraus abgeleitete Programm PAT – Mit Eltern Lernen. Das Programm wird im Kanton Zürich sowie in der Stadt St. Gallen, in Frauenfeld und in Bellinzona eingesetzt. Es hat zum Ziel, Eltern aus der Zielgruppe möglichst optimale Bedingungen für eine gesunde Entwicklung des Kindes zu schaffen und diese möglichst schon ab der Schwangerschaft zu begleiten. Das Tagungsthema „Frühe Bildung – Eltern erreichen“ machte deutlich, dass die Herausforderung zuerst einmal darin liegt, Eltern von risikobelasteten Kindern zu erreichen, gerade wenn sie sprachlich und kulturell nicht integriert sind.
 
Eine Geh-Struktur pflegen
Alex Neuhauser zeigte auf, dass die grösste Herausforderung darin besteht, diese Eltern überhaupt zu erreichen. Im Rahmen des Programms ZEPPELIN wurden Strategien entwickelt und getestet. Dazu gehört die Entwicklung eines Netzwerks mit Personen, die Berührung mit psychosozial belasteten Familien haben, also Hebammen, Kinderärzte, Familienberaterinnen u.s.w. Wichtig sei dabei die „Geh-Struktur“. Es gelte, betroffene Familien zu besuchen, Vertrauen zu schaffen und sie für die Mitarbeit zu gewinnen, so Neuhauser. Nicht unwesentlich seien auch finanzielle Anreize, zum Beispiel ein kleines Geburtstagsgeschenk für das Kind. Eltern müssten spüren, dass sie nicht überwacht werden, sondern ihrem Kind – und sich selbst – eine Chance geben.
 
Eltern empowern
336 Familien zeigten Interesse, sich am Programm zu beteiligen, 206 beteiligten sich schliesslich an einer Vergleichsstudie. An der HfH wurde über die Resultate informiert. Eine Folge der Arbeit mit den Eltern war zum Beispiel die Verbesserung der Beziehung zwischen Mutter und Kind, indem die Mutter sensibler für die Äusserungen des Kindes wurde und damit die Bindungsqualität erhöht werden konnte. PAT (Parents as Teachers – mit Eltern lernen) konzentriert sich auf Familien mit einem Kind bis zu drei Jahren. Dabei gelte es, Eltern zu „empowern“, also deren Vertrauen in die eigenen Kompetenzen zu stärken, wie Christina Koch, Expertin für Förderdiagnostik und Entwicklung von Kindern an der HfH, betonte. Wichtig sei dabei, anzuerkennen, dass jede Familie einzigartig ist. Entscheidend für alle sei, dass es von der Beratung zur Kooperation komme, wobei gemeinsam erarbeitete Ziele verfolgt würden.

 

 


Nicht nur Familien mit Migrationshintergrund
Angelika Schöllhorn, Professorin an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, wies darauf hin, dass die Zielgruppe nicht allein in Immigrantenfamilien liege, sondern auch bei sozial benachteiligten Schweizer Familien.
Prof. Andreas Eickhorst vom Deutschen Jugendinstitut München plädierte für einen verstärkten Einbezug der Väter. Zu oft werde mit den Vätern schon gar nicht gerechnet. Eine Podiumsdiskussion, an der auch der SVP-Politiker Rochus Burtscher und die SP-Politikerin Monika Wicky beteiligt waren, zeigte die Grenzen der Finanzierung solcher Programme auf, die zum Beispiel mit dem Schlagwort „Eigenverantwortung“ bekämpft werden.
 
Mehr über das Programm PAT
http://www.pat-mitelternlernen.org/programm/

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