Neue Familienstudie zeigt ein Dilemma auf - ist ein neuer Denkansatz nötig?

25.01.2019

Junge Paare hängen weiterhin an traditionellen Rollenmustern, wenn es um die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder geht, wie eine neue Nationalfonds-Studie zeigt. Daraus können unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen werden.

 

Traditionelle Rollenmuster bei der Familienarbeit bei jungen Frauen und Männern halten sich nach wie vor, obwohl sie im übrigen moderne Ansichten bezüglich Gleichberechtigung, beruflichem Engagement und Kinderbetreuung haben. Dies bringe junge Paare in eine Zwickmühle, heisst es in einer Medienmitteilung des Schweizerischen Nationalfonds über die Ergebnisse einer Studie unter der Leitung von Andrea Maihofer, Leiterin des Zentrums Gender Studies in Basel.

 

Der Vater als Versorger, die Mutter bei den Kindern ...

Konkret hat die Studie ergeben, dass sich junge Väter nach wie vor eher als Versorger der Familie sehen, während die Mütter sich stärker auf die Erziehung der Kinder konzentrieren wollen. Sie sehen die Kinderbetreuung vor allem als ihre Sache. Und dies, obwohl die jungen Väter sich im Gegensatz zu früher, schon von Anfang an um ihre Kinder kümmern wollen. Das Thema Vaterschafts- oder Elternurlaub hat es deshalb auf die politische Agenda geschafft.

 

Denn Vaterschaft ist cool geworden. Man erkennt es in der Öffentlichkeit daran, dass meistens die Väter den Kinderwagen schieben, wenn junge Eltern mit Kleinkindern unterwegs sind. Die Männer haben damit auf die Werte der Emanzipationsbewegung reagiert.

 

Junge Mütter hingegen möchten zwar ihren Beruf nicht aufgeben, aber auch nicht zur Haupternährerin der Familie werden. Umgekehrt möchten viele Väter Teilzeit, meistens 80 Prozent, arbeiten, um ihre Kinder mitbetreuen zu können.

 

Ein modernes Ideal muss sich der Realität stellen

Dass sich Männer und Frauen partnerschaftlich und möglichst paritätisch in der Familienarbeit und Kindererziehung engagieren, ist ein Ideal der Emanzipationsbewegung. Dass dieses in der Praxis nach Jahrzehnten seiner Propagierung nicht umgesetzt wird, müsste zu denken geben. Und auch neuen Überlegungen und Denkansätzen Platz machen.

 

Die Politik ging bislang davon aus, dass vorwiegend die Mütter für die (Klein-) Kinderbetreuung aufkommen. Sie hat daher auch einen vierzehnwöchigen Mutterschaftsurlaub realisiert. Viele Väter müssen sich immer noch mit einem Tag begnügen. Der Vorschlag der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen (EKFF) für eine 38-wöchige Elternzeit möchte den Vätern mehr Raum für ihre Vaterschaft geben. Zudem würde sie Eltern mehr Flexibilität für Kinderbetreuung und Berufsarbeit verschaffen.

 

Gleichberechtigungsdiskussion erweitern

Aus Sicht der Schweizerischen Stiftung für die Familie (SSF) wäre die Gleichberechtigungsdiskussion, die sich nach wie vor um gleiche Löhne für Frauen und Männern und paritätische Beteiligung in Führungspositionen dreht, um einen Aspekt zu erweitern: Auch für Eltern muss es Gleichberechtigung gegenüber Kinderlosen geben. Konkret sollen sie das Recht auf flexible Beschäftigungsmöglichkeiten und Karrierechancen haben, auch wenn sie durch Kindererziehung – und andern Betreuungsaufgaben – zum Teil absorbiert sind. Die Familien kommen in der Gleichheitsdebatte, die eine reine Genderdebatte ist, zu kurz.

 

Neuer Aspekt in der Vereinbarkeitsdiskussion

Ebenso ist die Vereinbarkeitsdebatte um einen Aspekt zu erweitern. Es ist nicht nur wichtig, dass Eltern flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit erhalten, sondern dass auch ihre besonderen Qualifikationen, die sie sich in der Familienarbeit erwerben, von den Arbeitgebern anerkannt und honoriert werden. Besonders auch dann, wenn es um Leitungspositionen geht. Der Wirtschaftspsychologe Joachim Lask und die Vereinbarkeitsforscherin Dr. Nina M. Junker (Goethe-Universität Frankfurt am Main) haben dazu wertvolle Forschungsarbeit geleistet und das Programm «be:able» des workfamily Instituts (Darmstadt) entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Kompetenztraining, das Familienmenschen unterstützt, ihre Qualifikationen zu erkennen, die sie sich in der Familienarbeit erworben und trainiert haben, um diese dann im Arbeitsprozess oder auch bei Bewerbungs- und Qualifikationsgesprächen einzusetzen.

Die Schweizerische Stiftung für die Familie wird ab Herbst in ihrem neuen Programm «Mehrwert Familie» auch be:able-Elterntrainings anbieten.

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